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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Eine neue hebräische Anthologie [Rezension]
Date
1921-01-01
Page
128 (sequence 4)
Language
German
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128 Umschau: Ältere hebräische Literatur mißt. Der schlichte, gebildete Leser, der sich mit diesem Abschnitt unserer Literatur vertraut machen wollte, mußte aus Mangel an entsprechenden, zugänglichen Hilfsmitteln auf sein Vorhaben verzichten. Deswegen ist es eine dankenswerte Tat des um die Piut-Forschung verdienten Prager Oberrabbiners Dr. H. B r o d y, daß er es, gemeinsam mit Dr. M e X r Wiener, unternommen hat, mit viel Geschmack und ästhetischem Sinn eine Anthologie hebräischer religiöser wie profaner Dichtungen seit dem Abschluß des biblischen Kanons bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien, herausgegeben zu haben1). Das Werk ist, wie die Herausgeber in der Einleitung bemerken, nicht als Übungsbuch für den Anfänger und auch nicht als Studienobjekt für den Forscher, sondern lediglich als Lektüre für den gebildeten, verständnisvollen Leser bestimmt, der an der hebräischen Poesie des Mittelalters Interesse findet. In dem 370 Seiten umfassenden Bande werden in historischer Reihenfolge mehr als 250 Gedichte, religiösen wie profanen Inhaltes, von 83 verschiedenen Dichtern geboten, die, insofern dies in einer Anthologie möglich ist, eine kurze, aber deutliche Übersicht über die poetischen Leistungen jener Literatursprache gewähren und ihre Wertung vom kulturhistorischen wie künstlerischen Gesichtspunkte ermöglichen. Das ganze große, bunte und reiche jüdische Volk, in allen seinen Verhältnissen und Lagen, mit seiner Trauer und seiher Freude, in seinem beschaulichen Ernst wie in seiner glückstrahlenden religiösen Erhebung, in seinem Weinen und seinem Lachen, tritt uns bei der Lektüre dieses Buches vor Augen. Neben dem Rufen einer weltentrückten, zu Gott sich emporschwingenden Seele oder dem markerschütternden Schrei des Gehetzten und Verfolgten hören wir Hoffnungs- und Freudensang, das Lied von Liebe und Treue und das helle Jauchzen der Trinker beim Weingelage. Insbesondere aus den innigen und keuschen Liebesgesängen Jehuda Halevis und Jehuda ben Salomo Alcharisis weht es uns wie von unvergänglichem Blütenduft berauschend zugleich und zart entgegen, Diese Klänge uns erweckt zu haben, ist das Verdienst der Herausgeber, denen noch be- *) Insel-Verlag, Leipzig 1922. sonderer Dank dafür gebührt, daß sie ihr Werk nicht mit jenen sonst üblichen Anmerkungen und gelehrten Exkursen, die den Leser nur ermüden und verwirren, belastet haben, sondern lediglich auf die Herstellung eines möglichst klaren und korrekten Textes Bedacht nahmen. Für die tiefer mit dem Gegenstand Vertrauten sind am Schlüsse des Werkes Angaben über Herkunft und Quelle eines jeden Gedichtes und gelegentlich, wo es angezeigt erschien, auch manche Textvariante angefügt. Die Herausgeber haben sich bemüht, eine wahre Auslese der besten Poesien in ihre Anthologie aufzunehmen. Ihr Vorhaben ist als gelungen zu bezeichnen; Sie haben bei ihrer Wahl einzig auf den poetischen und künstlerischen Gehalt der Gedichte Wert gelegt. Den nur didaktisch-gelehrten Piutim gaben sie mit Recht in der Anthologie keinen Raum. Trotz der vollen Anerkennung für die glückliche Wahl der aufgenommenen Poesien vermissen wir doch manche Gedichte, denen in dieser Anthologie ein Platz eingeräumt werden sollte; so z. B. die herrlichen „Geullot" Salomo ben Gabirols, sowie manche seiner lieblichen Sabbat-Semirot Einen Ehrenplatz hätte unter allen Umständen jenes ebenso originelle wie köstliche Gedicht einnehmen sollen, das durch seinen erquickenden, jugendfrischen Humor und nicht weniger durch Eleganz und Schönheit des Stils hervorragt, aber leider fast ganz unbekannt ist — es wurde zum ersten Male durch David Kaufmann im 10. Bande des Haschiloach nach einer alten Handschrift veröffentlicht — das„Isch Mahir" des Spaniers R.Izchak ben Salomo benZaddok (starb 1391 in Toledo den Märtyrertod). In der nächsten, hoffentlich bald notwendigen, zweiten Auflage der Anthologie mögen die Herausgeber das Fehlende nachtragen! Besonderen Dank verdient der Insel-Verlag für die schöne und geschmackvolle Ausstattung des Buches, die den Genuß der Lektüre noch erhöht. Wir hoffen, daß die verdienstvollen Herausgeber in Fortsetzung ihres begonnenen Werkes nun auch bald eine Anthologie der folgenden nachspanischen, italienisch-palästinensisch-orientalischen Periode werden folgen lassen, wofür sie des Dankes des hebräischen Lesepublikums sicher sein können. Samuel Rappaport Für die Redaktion TeranVwortlioh: Dr. Ernst Simon, Frankfurt a. M. Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Julias Beltz in Langensalza

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