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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 111

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Rückblick
Date
1921-01-01
Page
111 (sequence 5)
Language
German
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Umschau; Kolonisation in die im Gegensatz zu früher jetzt ganz bewußt und in fast grotesker Anwendung eines den Juden zum Vorwurf gemachten Prinzips erstrebt wird. Nicht nur die antisemitische Literatur ist international, von den „Geheimnissen der Weisen von Zion" angefangen bis zu dem Buche Henry Fords „Der internationale Jude", das beispielsweise auch in Deutschland in einer großen Anzahl von Auflagen verbreitet wurde. Daß es aber nicht nur geistige Zusammenhänge zwischen den antisemitischen Bewegungen der einzelnen Länder gibt, beweist, abgesehen von den offensichtlichen und auch offen eingestandenen Beziehungen der bayerischen Orgesch und der Organisation „Consul" zu den „Erwachenden Ungarn", auch die kürzliche Meldung ernst zu nehmender Berliner Blätter über die materielle Unterstützung der Münchener Nationalsozialisten durch den erwähnten amerikanischen Antisemiten Ford. Daraus aber weitergehende Schlüsse zu ziehen, wäre allerdings übertrieben. Viel weniger noch als der ideellen- Gemeinschaft des Bolschewismus kann der bloßen Interessengemeinschaft des internationalen, reaktionären Antisemitismus die Begründung einer wirklich weltumfassenden Internationale gelingen. Das rein formale Element, das die Internationalität der exzessiven Nationalismen der verschiedenen Völker ausmacht, verliert an einem bestimmten Punkte naturgemäß die Kraft seiner Wirksamkeit, wenn die tieferen sachlichen und Richtungsgegensätze in Erscheinung treten.— Eine internationale Beurkundung, wie das Palästina-Mandat für den jüdischen Anspruch auf Palästina, fehlt dem jüdischen Postulat auf Anerkennung und Schutz der Minoiitätsrechte. Dieses Verlangen war eben nicht so singulär wie die Palästinaforderung, sondern deckte sich mit dem gleichen Rechtsanspruch anderer nationaler Minoritäten. Es konnte daher folgerichtig seinen Niederschlag nur in den allgemeinen Minoritätenschutzverträgen der Pariser Friedenskonferenz finden. Lediglich die Verträge mit Polen und Rumänien enthielten eine Hervorhebung besonderer Rechte der jüdischen Bevölkerung. Die. Tschechoslovakei hat das den Vertretern der nationalen Judenheit des Landes in Paris gegebene Versprechen auf Anerkennung der jüdischen Nationalität durch Aufnahme einer entsprechendenKlauselin die Staatsverfassung erfüllt. Vor kurzem istRumänien diesemBeispiel durch Einverleibung von Bestimmungen über den Schutz der Minoritäten in der Konstitution gefolgt und endlich ist auch nach längen Kämpfen das jüdische Ministerium in Litauen gesetzlich verankert worden. Somit kann nicht nur vom Recht des jüdischen Volkes auf sein Land, sondern auch von demjenigen auf sein Volkstum und dessen ungehinderte Pflege in den wichtigsten Ländern jüdischer Massensiedlung gesagt werden, daß es heute schon kodifiziertes Recht ist. Nachdem nun der Sieg des nationalen Gedankens über die Assimilation endgültig besiegelt scheint, bleibt es doppelt erfreulich, daß trotz der neuen Wahlrechts- (oder -Unrechts-) bestimmungen das nationale Judentum in Polen bei den letzten Parlamentswahlen einen so großen Erfolg zu verzeichnen hatte. Der nach der landläufigen politischen Gesetzlichkeit unvermeidliche Rückschlag für eine einmal erfolgreich gewesene Partei ist nicht eingetreten. Noch bedeutungsvoller und von einer internationalen Vorbildlichkeit ist jedoch die Tatsache, daß die polnischen Zionisten durch den Gedanken des Minoritätenblocks und dessen Verwirklichung einen vielleicht wirksameren Schritt zur Achtung der Minoritäten getan haben, als alle verbrieften Schutzbestimmungen. Hier hat sich neuerdings die Parallelität und gleichzeitig die Verflechtung nationaler und i n t r a nationaler Bestrebungen gezeigt, die auch Ausblicke auf die Zusammenhänge nationaler und internationalen (völkerrechtlicher) Beziehungen eröffnet, aus denen ich, von anderen Gesichtspunkten ausgehend, einen Ausschnitt bereits in der Broschüre „Zionismus und Völker7 bund" zu geben bemüht war. Siegmund Kaznelson KOLONISATION Die palästinensische Genossenschaft und ihre gesetzliche Regelung Die palästinensische Genossenschaft hatte bis vor wenigen Jahren nur auf dem Gebiete der Landwirtschaft größere Erfolge zu verzeichnen. Erst vor drei Jahren hat die große Entwicklung der Arbeitsgenossenschaften begonnen, die allerdings schon vorher in der Form von Okkupations- und Meliorationsgenossenschaften bekannt waren, immer aber als provisorische, nur für kurze Zeit berechnete Gebilde galten und es daher weder in ihrer inneren Organisation, noch in quantitativer Entwicklung weit brachten. Die Handwerkergenossenschaften sind vollends

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