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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 103

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Die Eigenarbeit als ökonomische Notwendigkeit der palästinensischen Wirtschaft
Date
1921-01-01
Page
103 (sequence 1)
Language
German
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Bemerkungen: Die Eigenarbeit als ökonomische Notwendigkeit 103 DIE EIGENARBEIT ALS ÖKONOMISCHE NOTWEN¬ DIGKEIT DER PALÄSTINEN¬ SISCHEN WIRTSCHAFT Die jüdische Wirtschaft in Palästina — insbesondere die privatkapitalistische — kann nur dann Ökonomisch funktionieren, wenn Produktionsmittel und Arbeitskräfte im allgemeinen jenen Wirtschaftszweigen zugeführt werden, in denen die Selbstkosten der jüdischen Produktion zumindest nicht höher sind als die Preise der arabischen bezw. ausländischen Konkurrenz. Nun ist es eine der folgenschwersten Tatsachen des palästinensischen Wirtschaftslebens, daß bis zum heutigen Tag die arabische Konkurrenz Waren und Arbeitskräfte billiger liefert, als es der jüdische Produzent vermag. Es werden dafür die verschiedensten Gründe angeführt, auf die hier nicht. weiter eingegangen werden soll. Die letzten Ursachen liegen in der Billigkeit der arabischen Arbeit, und diese hängt wieder mit dem Eigenbau des Fellachen zusammen. „Jüdische Arbeiter, die sich (jüdischen Kolonisten) anboten, konnten keine Arbeit finden, da sie der Konkurrenz der Araber nicht gewachsen waren. Sie mußten höhere Löhne verlangen, weil sie nicht die Vorteile des arabischen Lohnarbeiters genossen, der in seinem Dorfe Wohnung und Wirtschaft hat, und für den der Arbeitslohn in den jüdischen Kolonien nur ein Nebenverdienst ist1)." Die Bestellung der eigenen Parzelle ermöglichte dem Fellachen ein Einkommen, das die dringendsten seiner durchaus geringen Bedürfnisse deckte. Daher konnte er seine Arbeitskraft um jeden Preis dem jüdischen oder arabischen Grundbesitzer anbieten. Der arabische Produzent war ferner mit der Eigenart der Orientwirtschaft vollkommen vertraut, er rechnete mit der Besonderheit des Bodens, des Klimas usw., während die Anwendung europäischer Arbeitsmethoden, speziell in derLandwirtschaf t, sich unter diesen Umständen als rentabilitätsmindernd erwies. 1) Dr. A. R u p p i n, Der Aufbau des Landes Israel. Jüd. Verlag. Berlin 1919. S. 39 ff. Solange nicht die „natürlichen" und wirtschaftlichen Vorbedingungen einer modernen Produktionsform gegeben waren, konnte ein isolierter Betrieb mit europäischem Arbeitsverfahren unmöglich die Rentabilität der extensiven Araberproduktion erreichen; umsoweniger als der Mehraufwand an Kosten, den eine intensive europäische Arbeitstechnik verursachte, nicht kompensiert wurde durch eine entsprechende Steigerung der Marktpreise. Besonders für den Ackerbau konnten die Auswirkungen des Gesetzes vom relativ abnehmenden Bodenertrag bei zunehmender Bestellungsintensität nicht paralysiert werden durch die wachsende Nachfrage einer wachsenden Bevölkerung nach Agrarprodukten aller Art. „Der Ackerbau in den jüdischen Kolonien wurde.. . in einer modernen Form betrieben, aber man hatte noch nicht den Weg gefunden, um einen den höheren Aufwendungen für Gebäude, besseres Zugvieh, Maschinen entsprechenden höheren Ertrag zu erzielen. Die bessere Bearbeitung des Bodens allein durch Benutzung europäischer Methoden schuf im Verhältnis zu den Mehraufwendungen keinen genügenden Mehrertrag1)**, Ruppin meint, daß die Einführung der „gemischten Wirtschaft", d.h. der Vielseitigkeit des deutschen Bauern (Getreide-, Obst-, Gemüsebau, Viehzucht, Milchwirtschaft usw.) einen ausreichenden Mehrertrag ermöglicht hätte. Selbst dann hätte man — abgesehen von , der Kostspieligkeit einer derartigen Kolonisationsform — die natürliche Eigenart des Landes zu wenig berücksichtigt. Man kann den Typus der deutschen Bauernwiktschaft schon allein aus dem einzigen Grunde nicht schematisch in ganz Palästina einführen, weil der palästinensische Boden im allgemeinen eine ganz andere Beschaffenheit hat, als der deutsche, bezw. europäische. Die Verschiedenheit zwischen der Wirtschaftsführung Palästinas, des ganzen Orients überhaupt, und der des Okzidents ist nicht nur sozial bedingt, sondern auch naturgegeben. Ferner ist noch gar nicht bewiesen, daß die Selbst- ) Ruppin, S. 40.

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