Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Oktroy der jüdischen Emanzipation
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 77 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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David Koigen: Auszug 77 demokratie bildet nur eine scheinbare Ausnahme; sie übernahm in diesem Punkte einfach das Erbe dieser ganzen Entwicklung, indem ihr Programm sie formell zur Eliminierung aller Unterschiede innerhalb der sozialen Klassen zwang, ohne daß ihr die tatsächlich unmögliche Aufgabe ^.glücken konnte, ihren Anhängern die Überzeugung von der völligen Gleichartigkeit der jüdischen Gruppe zu vermitteln; sie hätte diese übrigens nur aus rein taktischen Gründen benötigt, da das Ziel der Völkerversöhnung nichts mit dem einzigartigen Versuche einer Volksregierung im Widerspruch zur allgemeinen Ansicht zu tun hat. Durch diese, einer unbefangenen Betrachtung naheliegende Erklärung ist nunmehr die Geradlinigkeit des historischen Geschehens in der Judenfrage zwanglos hergestellt; in der veränderten Gesellschaft schmilzt die liberal gesinnte Intelligenz ebenso durch den Einfluß der Massen, wie durch andere geistige Strömungen — auf die allein die sonst gebräuchlichen Motivierungen dieses Umschwunges anzuwenden sind — ständig zusammen. So wird der Partner der Juden im Assimilationsprozeß an Zahl immer schwächer, ,um schließlich in vielen Fällen nur in der Phantasie zu existieren: die jüdische Gruppe bleibt isoliert, gleichsam vonder Welle einer vergänglichen Geistesrichtung hoch auf den Strand gespült, in einer Rechtsstellung zurück, deren vehemente Bekämpfung durch die Mehrheit der angeblich identisch gebliebenen Umgebung es unverständlich erscheinen läßt, wodurch sie seinerzeit trotz ihrer politischen Ohnmacht in ihren Besitz gelangen konnte. Nur wenn man die bedeutenden Machtverschiebungen innerhalb der gerade in der kritischen Epoche in völliger Neugestaltung begriffenen Gesellschaft berücksichtigt, wenn man die Gewährung der Gleichberechtigung an die Juden, noch mehr aber die moralische Unterstützung ihrer Assimilationsbestrebungen zwar als eminent humane und nutzbringende Tat für den gegebenen Zeitpunkt, aber als gegen den Willen der Massen erfolgte, also im Wesen undemokratische, oktroyierte Lösung wertet, ist der sonst unverständliche Zwiespalt ganz gelöst, der einer Zeit werktätiger Judenfreundschaft fast unvermittelt die Herrschaft des Antisemitismus auf dem Fuß folgen läßt. DAVID KOIGEN / AUSZUGx) Meine Mutter, seligen Andenkens, pflegte zu sagen: „Wenn ein Wunsch in deinem Herzen geboren ist und du ihn auszuführen gedenkest, so wissen es die Wände, die Dinge sprechen davon und die Menschen rings herum erzählen einander das Vorhaben wie eine bereits vollzogene Tatsache." Als ich, noch zögernd, im Kreise der Eingeweihten den Plan der x) S. „Im Lande der Seligen" (i. Heft).