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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Paulus, der Bekehrer
Date
1921-01-01
Page
33 (sequence 2)
Language
German
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Paulus, der Bekehrer 33 losigkeit. Da wird einem unter uns bewußt: „Die sagen so, ich meine es anders." Und er spricht es aus: „Ich meine aber" . . . Diesem „Ich aber", dem ganz plötzlichen und fast schrillen Hineinfahren eines Wortes in die gleichmäßige Atmosphäre der Zusammengehörigkeit, folgt ein Erstaunen und ein Erschrecken der anderen. Im gleichen Augenblick wird die Kette „Wir" unterbrochen: es kann geschehen, daß plötzlich alle, jeder Einzelne von sich aus, einen Satz beginnen mit dem Worte „Ich". Das Wir ist gestört; was Einheit war, wird zur Diskussion gestellt. Ein solches Erwachen der Vereinzelung kann jeder von uns erfahren. Soweit wäre das ein Ereignis, das in irgend einer Gemeinschaft als etwas ganz gewöhnliches vorkommen kann. Und davon sollte eine Weltwende ausgehen können? Wäre sie denn in der Tat nur eine Art von Familienstreit, der sich über Gemeinde, Völker und Reiche ausgereckt hat? Das kann nicht sein. Dem schicksalhaften Ausmaß solcher Wende und Neugeburt entspricht unser Bild nicht; eine besondere Bestimmung muß auszeichnend hinzutreten, damit es klar wird, warum jener Satz Zeichen ist. Diese Bestimmung besteht darin, daß es nicht irgendein, sondern ein jüdisches Ich war, das mit dem Anspruch der Endgültigkeit vor Allen und über Alles hinweg „Ich aber" sagte. Wir sind immer nur das Eine ewige Volk. Wir sind insgesamt „Wir vor Gott". Unter uns aber hat einmal einer „Ich" gesagt und hat dieses Wort als das Siegel einer einzig ihm eigenen Gottverbundenheit, seiner Gottessohnschaft, dem Verbundensein in dem Bunde, den Gott mit unseren Vätern schloß, gegenübergestellt. Nur das konnte Schicksal werden und eine neue Welt wirken. Die „Diskussion" ist nicht mehr still geworden, sie konnte e und durfte es für alle Zeit nicht mehr werden. Um der Völker willen ward * innen die Stille gestört und ward draußen das Schweigen gebrochen. Der ewige Auftrag ist gegeben: „Gehet hin und lehret alle Völker in m e i n e m Namen"... In dem Streit um Auftreten und Ausspruch des Jesus von Nazareth bildeten sich da und dort, wo jüdische Gemeinden waren, größere und kleinere Kreise; das Wort von ihm wurde auch dort gehört, wo eine mehr oder minder enge Beziehung der Juden zu dem umgebenden Griechentum bestand. Der Streit entbrannte allmählich heftiger und nahm immer jähere und zornigere Formen an. Es ist verständlich, wenn ein Rufer im Streit der Meinungen, dazu gerade geeignet durch eine außerordentliche Stärke seines Gemeinschaftsbewußtseins, sich in hemmungslosem Tun Luft macht. Verständlich ist es, wenn er, der seine Gemeinschaft in der Tiefe des eigenen Daseins bedroht fühlt, sehr handgreiflich gegen seine Widersacher angeht. An einem solchen in der Geschichte gewiß alltäglichen Charakter muß wiederum eine bestimmte Besonderheit sichtbar werden, durch die sein Wirken zu dem wurde, was es sein sollte. Der Mensch, der (wie wir den Berichten glauben dürfen) in einer Art von seelischem Krampf an die Bekämpfung der Messianer ging, war Saul, ein Jude aus Tarsos. Von seinem Vater nach Jerusalem geschickt, wo er zu den Füßen Rabbi Gamaliels lernend saß, ward er von der Gemeinde ausersehen, den Kampf gegen das neue Wesen zu führen. Mögen auch Hcftl. .3

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