Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Juden im Orient
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 771 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Bibliographisches 771 dem bekannten Werke von Caussin de Perceval; was der Talmud und Midrasch über Arabien, darunter auch über die Geschicke der Juden in diesem Lande enthält, hat S. Krauss in einem größeren Aufsatze zusammengestellt. Unser Wissen um die Juden im alten Arabien stünde weit besser, wenn die Frage nach Zeit und Charakter der sogenannten dieses. Werk orientiert uns über sämtliche einschlägige Fragen, nicht zuletzt auch über die Kämpfe, die Mohammed mit den jüdischen Stämmen Banu Kainuka, Banü al-Nadhir und Banu Kuraiza führte und die damit endeten, daß sich die Juden der Halbinsel, auch die von Chaibar, Fadak, Taima und Wadi-al-Kura, dem neuen Herrscher entweder unterwarfen oder zur Auswanderung besabäischen Inschriften gelöst wäre. E. Glaser^quemten. Die Verträge Mohammeds mit den hat manche von ihnen für jüdisch erklärt,'^ Juden hat J. Sperber in'einem besonderen wogegen Joseph Halevy, einer der||||Werke bearbeitet, aber Verträge nützten bei besten Kenner des Landes, ihren jüdischen Mohammed nichts, und das Schicksal der Charakter leugnet. Nächst, ihnen hat sich Jjs freien Juden in Arabien war besiegelt, um die sabäischen Inschriften D. H. Müller Von da an sinkt Arabien, wenigstens was verdient gemacht. Sehr umstritten ist auch die Frage des jüdischen Staates Jemen, in j Südarabien, dessen Entstehung sich an den Namen des Königs Dhu-Nowas knüpft. Die Theorien Graetz' wurden von J. Halevy bedeutend modifiziert, namentlich was die Christen Verfolgung in Negran anlangt, und auch christliche Forscher, wie Fell und Schröter, obzwar sie mit rühmlicher Sorgfalt die vorhandenen aethiopischen, syrischen, arabischen und griechischen Quellen zu Rate gezogen haben, haben es zu bestimmten Ergebhissen nicht gebracht. Längst schon weiß man, daß die Poesie, entsprechend den edlen Sitten des Landes, auch unter den Juden Arabiens geblüht hat; der Name des Dichters Samau'al b. Adiga klingt ehrenhaft bis zu uns herüber. Nachdem schon Fr. Delitzsch und Th. N Ö 1 d e k e diese jüdischen Dichtungen gesammelt und besprochen haben, hat uns neuerdings L. Cheikho den ganzen Diwan Samau'als bescheert. Nicht alle Juden, wie auch nicht alle Araber, führten ein Nomadenleben, sondern waren auch in Städten, mitunter recht bedeutenden, angesiedelt. Eine alte, volksreiche jüdische Ansiedelung gab es in Jathrib, später Medina genannt, worüber uns Wensin ck und H. Hirschfeld ausreichend belehren, und gerade in dieser Stadt reifte sich Mohammed zum Propheten aus. Es wird auch von all den zahlreichen Autoren, die Mohammeds Leben beschrieben haben — wir nennen W. Mulr, Sprenger, Nöldeke, A. Müller, Grimme, Caetani — des ausführlichen bewiesen und unumwunden anerkannt, daß Mohammed den Juden sehr viel entlehnt habe, eine Erkenntnis, die hauptsächlich auf den noch immer nicht antiquierten Untersuchungen A. Geigers beruht; vgl. auch M. H a r t m a n n , der in seinem großen Werke freilich unsere Frage nur nebensächlich streift. Nur Wellhausen, der an die Frage nicht ohne Vorurteil herantritt, stellt Mohammeds Werdegang so dar, daß er den Christen mehr zu verdanken habe als den Juden. Die Nichtigkeit dieses gegnerischenStandtpunkteshatR.Leszynsky in einem umfangreichen Werke „Die Juden in Arabien zur Zeit Mohammeds** bewiesen; die Juden anlangt, in völlige Vergessenheit zurück; diejenigen, die in Aden, San'aa und Jemen zurückgeblieben waren, gaben Spuren ihres Daseins erst später, besonders die in Jemen, die in Sachen eines Pseudo-Messias . an Maimonldes eine Frage richteten und von denen wir durch die mustergültigen Arbeiten W. Bachers wissen, daß sie Gelehrte und besonders synagogale Dichter in ihrer Mitte besaßen. Für fernere Studien sind zahlreiche Arbeiten I. Goldzihers maßgebend, besonders seine Mohammedanischen Studien (Halle 1889—90, 2 Bände); Vorlesungen über den Islam (Heidelberg 1910). W. Bacher, Die hebräische' und arabische Poesie der Juden Jemens. Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule, Budapest 1910. L. Caetani, Annali del _ Islam, 4 Bde., Milano 1905. Caussin de Parceval, Essai sur l'histoire . des Arabes, Paris 1897—8, 3 Bde. H. P. Chajes, Jüdische u. jüdisch-indische Grabinschriften aus Aden, Wien 1903. L. Cheikho, Diwän d'as Samaual d'apres la recension de Niftawaihi, Beyrouth 1909. Fr. Delitzsch, Jüdisch-arabische Poesien aus vormohammedanischer Zeit, Leipzig 1874. Fell, Die Christen Verfolgung in Südarabien und die himyarisch-aethiopischen Kriege nach abessynischer Ueberlieferung, ZDMG (— Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft) 35 (i88x) 1—74. A. Geiger, Was hat Mohammed aus dem " Judentume aufgenommen? Eine von der kön. preuss. Rheinuniversität gekrönte Preis- Schrift, Bonn, 1833. z. Aufl. 1902. E. Glaser, Skizze der Geschichte Arabiens von den ältesten Zeiten bis zum Proph. Mohammed. München 1889. — Südarabische Streitfragen, Prag 1887. — Aufsatz in REJ (= Revue des Etudes Juives) 23,122 ff, dagegen J. Halevy das. 304 ff. Graetz, Geschichte der Juden, Bd. 5, vierte Aufl., S. 82 bezw. ff. Grimme, Mohammed, Münster 1892—95, 2 Bände. J. Halevy, Etudes, Sabeennes, Paris 1875. — Essai sur Jes inscriptions du Safa. Paris 1892. (Für Nichtfachleute ist bloß geeignet die schöne Einleitung und die historische Bemerkung über die Araber des Nordens S. 301). _