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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 759

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Der Jude im Roman
Date
1921-01-01
Page
759 (sequence 2)
Language
German
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Der Jude im Roman 759 Die Sprache, deren der Autor sich bedient, ist wie das erste vertrauliche Blinzeln zu seinen Landsleuten: Wir sind ja unter Bekannten, ihr wißt schon so viel, daß ich mir die Hälfte des Buches sparen konnte. •5 Wir Juden in den westlichen Ländern werden von unsern Schriftstellern nicht mehr hebräisch angesprochen, wodurch wir mit dem Autor Hand in Hand einen Kreis gebildet hätten. Durch die Sprache, in der der Autor schreibt, richtet er sich an eine Gemeinschaft, der er durch die Sprache angehört, die aber nicht seine Rassengemeinschaft, seine Gemütsgemeinschaft ist. Die bestimmte Sprache, welche unmittelbar Menschen verbindet, die einander verstehen sollen, ist hier nicht da. Dadurch, daß der jüdische Autor, über Juden handelnd, bereits damit rechnet, von Menschen gelesen zu werden, die nach gewissen Seiten ihm verwandt sind, sich aber nicht ohne weiteres in ihn einfühlen können, muß er, um ihnen zu Hilfe zu kommen, erklärend vorgehen. Auf diese Weise nimmt er aber seinem Roman den Juden, den Stammverwandten gegenüber den Reiz, die Intimität, da er ihnen den Genuß des Lächelns über das sousentendu entzieht*. Der arische Autor, der über Juden schreibt, gibt einfach einen exotischen Roman. Nun ist der exotische Roman denen sehr interessant, für die er wirklich exotisch ist, andere Sitten, Zustände, Charaktere, Naturbilder bietet, als an die man gewöhnt ist. Lesen jedoch diejenigen den exotischen Roman, welche selber darin auftreten, so erkennen sie sofort seine Oberflächlichkeit. Der exotische Roman wird denn auch von denen, die aus dem Gesichtskreis eines einem andern Volke angehörigen Schriftstellers beschrieben werden, im allgemeinen nicht gelesen. Ein Volk gibt es jedoch, das der Juden, das s dank seiner eigentümlichen geographischen Zertrennung wohl imstande ist, den von andern, ihm Fernstehenden geschriebenen Judenroman zu lesen. In den meisten Fällen finden sie sich nicht wieder in diesen Äußerungen der Bewunderung oder Verwunderung, der Gleichgültigkeit oder Abneigung. Das kann gar nicht anders sein. Die einer gewissen Rasse nicht Angehörenden sehen nur die Fassade einer Seele, d. h. die Handlung. Die Handlung drückt selbstverständlich etwas aus, aber nicht alles. Die Handlung wird manchmal im vollen Gegensatz zur Absicht ausgeführt, manchmal stimmt sie zum Teil mit ihr überein, manchmal gänzlich. Aber nur der kleinste Teil" des Gemütslebens, der wollende, strebende Teil findet sein übereinstimmendes Korrelat in Handlung. Empfindungen, Gedanken bleiben für immer in der Schatzkammer des innersten Gemütslebens verschlossen und sind einzig kenntlich für das eigene Ich, und als in einer gewissen Person vorhanden, können sie nur von einem nahe verwandten Ich vermutet werden. Nur der Stammesgenosse kann durch sich selbst etwas wissen von dem verborgenen, durch Handlungen nicht kundgegebenen Seelenleben seines Bruders. Ich sagte bereits: der Nicht-Rassenverwandte sieht nur das Äußerliche einer Seele Nun ist im Äußerlichen der Seele, das ist in der Handlung,

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