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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 695

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Das Gemeinschafts- und Wirtschaftsleben in der Siedlungsgenossenschaft von Merchawjah
Date
1921-01-01
Page
695 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Kolonisation tümlich sind, vorzubeugen, will ich mich bemühen, einen genauen Begriff vom Leben dieser Kooperativgenossenschaft zu geben. Ihren äußeren Daseinsformen entsprechend kann man in der Entwicklung der Siedlungsgenossenschaft zwei Epochen unterscheiden: die administrative — die Zeit vor dem Kriege, und die autonome — die.Zeit des Krieges, Die administrative Epoche dauerte drei Jahre, vom Sommer 1911 bis zum Sommer 1914. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren gänzlich unklar. Im Adar 5671 trat man an die Gründung der kooperativen Siedlung heran. Nach dem Oppenheimerschen Programm sollte der Betrieb die ersten drei Jahre in administrativer Weise geleitet und nach dieser Zeit den Arbeitern zur Selbstverwaltung übergeben werden. Darum wurde nach Merchawjah als Administrator für die ersten 3 Jahre der Agronom Dyk geschickt. Er begann seine Arbeit im Sommer 1911, ohne daß das geringste vorhanden gewesen wäre. Das erste, was er in Angriff nahm, war die Urbarmachung des Bodens, der der Siedlung übergeben worden war, die Reinigung des Bodens von Dornen, die erste Pflügung, Diese Vorbereitungsarbeiten dauerten bis zum Winter 5672 und beliefen sich auf 17000 Frs. Das Jahr 5672 war also das erste Jahr landwirtschaftlicher Arbeit. Am Anfang des Jahres war noch kein entsprechendes Programm vorhanden, da Herr Dyk infolge der Verletzung an seiner Hand abwesend war. Anbau: Im Winter wurden Weizen, Gerste und Bohnen gepflanzt. Man muß bemerken, daß wir keinen Begriff vom Charakter des Bodens der Siedlungsgenossenschaft im allgemeinen und der verschiedenen Bodenarten im besonderen hatten. Der Versuch des ersten Arbeitsjahrs zeigte, daß unser Boden sehr mager war und methodische Melioration für mehrere Jahre hintereinander erforderte. Wenn wir den Ertrag von Merchawjah mit dem von Daganiah vergleichen, kommt der niedrige Ertrag von Merchawjah besonders stark zum Aus-druck: 1 ha Weizen auf gedüngtem Boden in Merchawjah brachte 755 kg in Daganiah 955 kg 1 ha Gerste auf gedüngtem Boden in Merchawjah brachte 480 kg in Daganiah 1001 kg Damit es klar wird, daß der Unterschied in den Erträgen nicht zufällig in einem Jahr so war, vergleichen wir die Erträge von Merchawjah und Daganiah für die Dauer einiger Jahre: Der Ertrag in Kilogramm auf den Hektar: Weizen: 5673 5674 5675 - 769 kg 976 kg 744"kg Merchawjah, 1070, 1181, 881 Daganiah, Gerste: 5673 7674 5675 526, 636, 489, 1542, 1526, 1156. Wir müssen betonen, daß Flächen von Hunderten von Dunam im Laufe dieser Jahre gedüngt wurden, sonst wären die Erträge noch viel niedriger gewesen. Nun wollen wir die Arbeitswelse betrachten, die der Bewirtschaftung zugrunde gelegt wurde. Herr Dyk befolgte von Anfang an die - Bebauungsmethode, die sich " auf rationellen Saatenwechsel und auf möglishct ausgiebige Düngung stützt. Die Frage, wie man den Betrieb leiten sollte ohne daß wir in den ersten Wirtschaftsjahren Verluste hätten, wurde nicht gestellt. Herr Dyk brachte in vielen öffentlichen Versammlungen folgende Ansicht zum Ausdruck: Damit wir keine Verluste hätten, müßten wir Winterfrucht säen, in der Regel Bodenflächen, die 10 Paar Vieh und 15 Mann beschäftigten. Dann verlören wir gewiß nicht die Riesensummen wie bisher. Aber es sei unser Ziel, eine moderne intensive Wirtschaft zu begründen, die 10 Familien ernähren könnte, und notwendigerweise müßten wir, bis wir die Wirtschaft zur gewünschten Stufe emporgebracht hätten, Verluste haben. Auf diesem Wege nun, der im Grunde richtig war, wurden große Fehler gemacht, die uns große Verluste verursachten. Herr Dyk beschloß, den rationellen Saatenwechsel in allen Einzelheiten durchzuführen. Bodenstücke von Hunderten von Dunam wurden für Hackfrüchte bestimmt. So wurden z. B. 3000 kg Kartoffel gesetzt, ohne die Natur des Bodens und des Klimas zu kennen. Das Ergebnis war ein vollständiger Mißerfolg. Das Kartoffelkraut litt unter Kälte und Krankheiten usw. Im Emek werden, wie bekannt, Sommerfrüchte, Kichererbse und Sesam gepflanzt. Auch sie wurden in unsere Wirtschaft in weitem Maße einr geführt auf vielen hundert Dunam. Aber die Bebauungsmethode verursachte viele Aus-: gaben, Handarbeit, die sehr teuer zu stehen kam. In dieser Frage kämpften die Arbeiter mit Leiter eine wahre milchemeth mizwah, die von Seiten des Leiters mit Verlassen der Siedlung, beendet wurde, in einer Form, die auch den Arbeitern nicht erwünscht war. Wir wollen uns nicht bei den Einzelheiten dieses Kampfes aufhalten, sondern nur den Streitpunkt b ezelchnen: Herr Dyk hielt es für notwendig, daß Sesam, und Kichererbsen mit der Hand bearbeitet werden müßten, nämlich beim Setzen und Hacken. Und daß gerade dieses Hacken für den Boden sehr gut sei, was ebenfalls sehr erwünscht wäre usw. Und weil nun diese Handarbeit, wie z. B. das Abpflücken, von Juden verrichtet, auf Riesensummen kam, mußte man nichtjüdische Arbeiter von den umliegenden Dörfern

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