Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Herzl und die Neue Freie Presse
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 661 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, Herzl und die Neue Freie Presse 661 fecht. Er hab^ mit Schütz über die „Welt" gesprochen, und „Schütz sei seiner Ansicht". Schütz bestätigte dies, wenn auch offenbar wenigerenergisch als in meiner Abwesenheit. Benedikt formulierte: Die „Welt" müsse eingehen, oder ich muß mich von ihr lossagen. Er selbst wolle mir dabei behiflich sein, eine Form zu finden, in der mein Ansehen nicht leide. (Er erinnerte mich an sein Anerbieten beim „Judenstaat", mir in den Ferien zu helfen, das Buch einwandfreier zu machen.) Er bitte mich dringend, dringendst (und die Drohung sah ihm aus den Augen), die „Welt" aulzugeben. Er sage es nicht als Herausgeber zum Mitarbeiter, sondern als Freund zum Freunde. Es liege ihm natürlich daran, daß die N. Fr. Pr. nicht geschädigt werde, aber er wolle jetzt nur in meinem Interesse sprechen. Es sei schade um mich. Ich richte mich zugrunde. Schütz sekundierte: er habe gehört, daß eine Hetze gegen mich beginnen werde. Ich sagte: „Ich fürchte mich nicht!" Benedikt suchte mir meinen „Trotz" freundschaftlich auszureden. Dann eine Drohung: ich dürfe nicht auf Urlaub gehen, bevor ich ihm nicht eine definitive Antwort gegeben, das heißt, das Erscheinen der „Welt" eingestellt habe. Dann ein Versprechend er bürge mir dafür, daß ich es nicht bereuen werde, wenn ich seinen Wunsch erfülle. (Das alles kenne ich nun schon: seine Bitten, Drohungen, Versprechungen.) Ich dürfe auch auf dem Kongreß keine hervorragende Rolle spielen, ich dürfe nicht hervortreten. Und nach diesen schweren Attacken, nachdem er mit allem Druck seiner Stellungsübermacht, auf mich zu wirken versucht hatte, fügte er so naiv hinzu, daß es der größte Hohn nicht ärger hätte machen können: „Ich will ja keinen Gewissensdruck auf Sie ausüben — nur insoweit es der N. Fr. Pr. abträglich sein kann, dürfen Sie nichts machen". Und diese Leute entrüsten sich in Leitartikeln, wenn ein Minister die Meinungsfreiheit seiner Beamten beschränkt. Ich blieb natürlich unbeugsam. Beim Weggehen fragte Benedikt den Schütz (der es mir wiedererzählte) hinter meinem Rücken ängstlich, ob er nicht zu schroff gegen mich gewesen sei. 19. JütlL Schütz, der Mann der bons Offices, kam zu mir. Wir gingen zur sammen in die Redaktion. Ich klagte heftig über Benedikt, der einen Gewissensdruck auf mich ausübe. Ich könne das bis zu einer gewissen Grenze aushalten; und schließlich wären Benedikts Freunde froh, wenn ich von der N. Fr. Pr. wegginge. Schütz muß das sofort Benedikt wiedergesagt haben» Wirkung: hinreißendes Lächeln Benedikts, als ich in sein Zimmer kam. Er war die Liebenswürdigkeit selbst, wollte durchaus, daß ich mit ihm speise, und sprach kein Wort mehr von der „Welt".