Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Neue Wege der Arbeiterschaft: Der Misrad
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 648 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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648 Umschau: Arbeiterbewegung in Palästina und seelenlose Zusammenballung in den Städten nicht als ein Mittel zur Lösung des Problems: Sozialismus und Zionismus betrachtet. Nur aus der Gruppe, der Zelle, wesentlich von der Urproduktion, der Landwirtschaft, vom Einzelnen, vom Anarchismus her könne das wahrhafte sozialistische Erez Israel kommen. In diese Diskussion, die in der Besiedlungspolitik in dem Streit über große oder kleine Kwuzah gipfelt, greift die vorstehende Betrachtung nicht ein Es erscheint ein müßiges und theoretisches Unterfangen, heute, wo die Entwicklung über diese Frage bereits hinaus gegangen ist, in diesem Streit Partei zu nehmen. Die öffentlichen und industriellen Arbeiten werden im Lande fortgesetzt werden, gleichviel ob die Ansiedlung weiter so vernachlässigt wird wie bisher oder an Umfang gewinnt. Und beim industriellen Aufbau (Elektrisierung, Bauwesen, Fabriken, öffentliche Arbeiten) heißt es eben, den Weg des Ausgleichs zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Interessen der Gesamtheit zu finden. Dem Einzelnen die Möglichkeit zu geben, zu innerer Freiheit zu kommen, die Bedingungen zu schaffen durch verantwortliche Arbeit der Gruppen und Siedlung in Gruppen auch in der Stadt, das ist eben die Aufgabe des Misrad, Aller Nachdruck liegt auf der Tatsache, daß auch die städtische Arbeiterschaft den Weg zut Gruppe finden muß und so doch zu einem andern Leben kommt, als das' Proletariat andrer Länder. Die innere Freiheit der Gruppe und der Einzelnen muß durch die Gesamtheit gefördert werden, und es ist sowohl ein Trugschluß, sich in der Isolierung von der Gesamtheit für frei zu halten, wie auf der andern Seite zu glauben, daß die Organisierung der verantwortlichen Arbeiterschaft irgendwie die Freiheit des Einzelnen beschränke. Der Weg der Organisierung freier verantwortlicher Gruppen, in denen jeder verantwortlich ist und doch frei (die Gruppe frei in der Lebensgestaltung, der Auswahl der Gefährten, der Möglichkeit der Leistung; der einmal gewählte Führer frei während seiner Wahlzeit in der Gestaltung seiner Tätigkeit, verantwortlich erst nach Beendigung seiner Amtsperlode), ist ein Abbild des neuen Weges der Gesellschaft. Gedud Awodah als bedeutendster Vertreter des Gedankens der Verantwortlichkeit und Erziehung und Misrad sind zwei Seiten desselben Systems, von innen und außen gesehen. Der Weg ist außerordentlich kühn und schwer; er erscheint als der einzige, der im neuen Erez Israel gegangen werden kann, um die industrielle Arbeit im Interesse der Arbeiterschaft und des Aufbaus zu führen. Der Misrad muß mit aller Kraft dazu Übergehen, von der Mittlerrolle in immer stärkerem Maße zu eigener Produktion aufzusteigen. Er muß zur Gewinnung eigenen Kapitals gelangen, direkt oder mit Hilfe anderer Organisationen; dieser Weg erscheint als der einzige, um neue Menschen, neue Einwanderer wahrhaft in die Arbeit hinein zu ziehen, denn nur verantwortliche, für die Gesamtheit arbeitende," ihre Genossen geistig beeinflussende Gruppen haben die Möglichkeit und den Willen, neue Arbeiter auszubilden, neue Menschen zu erziehen, nur sie haben Interesse an der Fortführung der Alijah. Der Privatunternehmer ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht an der Heranziehung neuer Kräfte über einige Fachleute hinaus interessiert; die isolierte Gruppe und Fach-Kwuzah ist aus Gründen der Konkurrenz Vorkämpferin' gegen die Alijah. Nur die große Gemeinschaft, die Gesamtbewegung desinteressiert ihre Mitglieder an den sonst für die Alijah vernichtenden Folgen. Der Aufbau der genossenschaftlichen Bewegung in der Industrie von der Produktion her, dieser von allen Seiten für unmöglich gehaltene Versuch, kann gelingen: 1. weil im Land bisher wenig Kapital existiert und die Eroberung der Arbeit freiere. Bahn hat als Iii Europa, 2. weil hier seit langem wieder einmal von einer bewußten: Arbeiterschaft der Versuch gemacht wird, von idealistischen Gesichtspunkten aus eine Gesamtbewegung zu gründen, 3. weil die Arbeiterschaft Kredite im nationalen Kapital und bereits heute ein eigenes Organ in der Arbeiterbank besitzt. Schon werden Versuche gemacht, gemeinsam mit arabischen Arbeitern in der Produktion vorzuschreiten, und von hier aus wird vielleicht einmal eine Möglichkeit der Lösung der Araberfrage entstehen können. Aber darüber zu sprechen, erscheint heute bei weitem verfrüht. Wird der Weg des Misrad folgerichtig weiter gegangen, so muß er zu bedeutenden Resultaten führen. Ohne den Widerstand von rechts und links zu beachten, muß die nationale, sozialistische Arbeiterschaft ihren Weg gehen. Walter Preuß B erichtigung Im 9. Heft ist S. 554 Z. 10 zu lesen: S. 558 Z. 22: daß, S. 567 Z. 17 Tagen, wo Natan, S. 556 Z. 13 v. u.: Urelments, S. 557 Jesaja von dem, S. 572 Z. 1: q^. Z. 18: Atemnot Namen („d. h.a ist zu streichen), Für die Redaktion verantwortlich: Dr.. Gustav Krojanker, Berlin. — Jüdischer Verlag, Berlin. Druck von Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L.