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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 596

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
596 (sequence 9)
Language
German
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596 Arjeh Tartakower: Die Einwirkungen aus der Tatsache der wirtschaftlichen Entwicklung Europas, auf die wir jetzt kommen, haben wir zunächst auf das Expansionsbedürfnis des europäischen Kapitalismus zurückgeführt. Diesbezüglich ist kein Unterschied zwischen Palästina und den übrigen Ländern Vorderasiens zu machen. Der bereits gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts seinen Siegeszug beginnende Kapitalismus hat im Lauf der ersten Hälfte des folgenden die revolutionäre Umbildung der Wirtschaft der europäischen Länder vollzogen und suchte nach neuen Tätigkeitsgebieten. Im Westen wurde es immer schwerer vorwärts zu kommen, da die Vereinigten Staaten ihre auf die Hegemonie über ganz Amerika hinzielende Wirtschaftspolitik gerade um diese Zeit zu führen begannen und dem Festsetzen des europäischen Kapitals in ihrer Mitte immer mehr abhold wurden. So warf man sich denn mit der ganzen Wucht auf den Orient. Während einerseits im fernen Osten, in China und Japan, Wirkungs- und Absatzgebiete erobert wurden, suchte man anderseits auch in die näheren Gebiete einzudringen und entdeckte dabei sozusagen die jahrhundertelang verschollenen und verwahrlosten Provinzen Vorderasiens. Der wirtschaftliche Eroberungszug, der insbesondere durch den Kampf um die transanatolische und die Bagdadbahn bekannt wurde, ging langsam aber ununterbrochen vor sich. Natürlich wurde auch Palästina durch ihn ergriffen. Man suchte zunächst den Verkehr mit dem Orient zu organisieren. Es wurden Schiffahrtsgesellschaften entweder speziell hiefür begründet, oder die bestehenden mit Rücksicht darauf umorganisiert. So entsteht 1836 der Oesterreichische Lloyd für den Verkehr mit dem Orient, während die französischen Messageries Imperiales, die englische Peninsular & Oriental Steam Company und die russischen Schiffahrtsgesellschaften Desondere Linien dafür bilden. Durch große Subventionen und Verzinsungsgarantien sowie durch -Uebergabe des Postdienstes suchten die Staaten ihnen über die ganz natürlichen Anfangsschwierigkeiten hinwegzuhelfen. Dem Lloyd wurde vom Staat eine vierprozentige, den Messageries Imperiales eine fünfprozentige Verzinsung garantiert- Es zahlten jahrelang Frankreich den Messageries für ihren Dienst im Mittelmeer fast 5 Millionen Frank jährlich, England der P. & O. C. an 200000 Pfund, Oesterreich dem Lloyd über 2 Millionen Gulden, während Rußland seinen Schiffahrtsgesellschaften für den Verkehr mit dem Orient eine Subvention von 4,30 Rubel pro Meile gewährte. So ist es denn erklärlich, daß die Schiffe der erwähnten Gesellschaften in den syrischen Häfen immer zählreicher wurden. Gleichzeitig begann das Kapital im Lande selbst zu arbeiten, hier wiederum durch die Staaten, insbesondre durch Gründung von Konsulaten auf das tatkräftigste unterstützt. 1839 entstand das englische Konsulat, 1843 das preußische, 1844 das französische, 1852 das österreichische, 1854 das spanische, 1857 das der Vereinigten Staaten und 1858 das russische. Unter ihrem Schutz suchte sich das Kapital Luft zu schaffen. So Mhirde die erste moderne Bank in Palästina durch den französischen Credit Lyonnais begründet, der krampfhaft sich ein Ventil gegen

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