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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 588

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Wandlungen im Osten
Date
1921-01-01
Page
588 (sequence 4)
Language
German
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588 Arjeh Tartakower: dem Wege stehen, die sie stellenweise völlig verdunkeln mögen. Aber schon jetzt müssen wir mit dieser Erscheinung rechnen und es ist vielleicht weniger gefährlich, sie zu überschätzen, als sie zu unterschätzen. Die zionistische Politik wird immer mehr einsehen müssen, daß es nicht von Großbritannien und nicht von einer Verknüpfung der europäischen Politik letzten Endes abhängt, ob in Palästina ein jüdisches nationales Heim geschaffen werden wird, sondern von den Bemühungen des jüdischen Volkes, und vorv allem und in erster Linie davon, ob es dem jüdischen Volke gelingen wird, mit den Arabern zu einem Einverständnis zu kommen, um gemeinsam mit ihnen in Palästina — nicht einen jüdischen Staat, sondern eine gemeinsame Heimat im Vorderorient aufzubauen. Diese Verständigungsarbeit kann nicht in Palästina allein, sondern sie muß aus den obengesagten Gründen auch in Kairo und Bagdad, Damaskus und Kalkutta geführt werden. Juden spielen in dem neuen Königreiche Irak eine große Rolle; die Bagdader Juden waren immer aktiv und begabt und haben in Indien und China reiche Kolonien geschaffe% von deren Häuptern die Namen Sassoon und Kadoorie allgemein bekannt sind. Die höhere Bildung und Weltkenntnis der Juden wird sie in den neuen Reichen eine wichtige Rolle spielen lassen. In Mesopotamien ist ein Jude Finanzminister. Zugleich sind diese Juden glühende Anhänger der arabischen Freiheitsidee und Kultur. Es ist nicht unmöglich, die Wiedererinnerung an die spanische Zeit, die gemeinsame Abstammung und Urheimat als wirkende Kräfte wieder zu erwecken. In der Resolution des Karlsbader Kongresses, auf die die englischen -zionistenfreijndliche Politiker immer wieder hinweisen konnten, und die sich als von großer praktischer Bedeutung erwiesen hat, und in der in den letzten Erklärungen Mr. Churchills vorgezeichneten und von der Zionistischen Exekutive gebilligten Politik liegt der Weg hierzu. ARJEH TARTAKOWER / PALÄSTINAS EINTRITT IN DIE MODERNE WELT¬ WIRTSCHAFT (Aus einer größeren Arbeit über die palästinensische Volkswirtschaft der Gegenwart) Wenn ich in der Folge von dem Eintritt Palästinas in die moderne Weltwirtschaft spreche, so darf man sich das natürlich nicht so vorstellen, als ob Palästina heute bereits in die Reihe der Länder gestellt werden dürfte, die die moderne hochkapitalistische Entwicklung durchgemacht haben und in der Weltwirtschaft heute als gleichberechtigte und gleich starke Partner einander gegenüberstehen. Dem ist bei weitem noch nicht so. Die palästinensische Volkswirtschaft zeigt heute noch in sehr vielen Hinsichten starke Merkmale der orientalischen Rückständigkeit, die der Landwirtschaft, dem Hauptfaktor des palästinensischen Wirtschaftslebens sogar, von wenigen Aus-

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