Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Grundsätzliches zur Siedlungsarbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 579 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Umschau: Kolonisation 579 uns verschwinden. Unsere Lage in den Städten zwingt uns zu einer ökonomischem Abhängigkeit, zur Arbeit mit „fremden Händen", zur Befriedigung unserer Bedürfnisse durch Produkte fremder Mühe. Wollten wir uns von diesem Zwang befreien, es würde nicht gelingen. Selbst die „Politik« wird von uns ökonomische Beziehungen zu unseren Nachbarn fordern — und wir werden uns fügen. Tatsache ist, daß die Vermehrung der jüdischen Siedlung in irgendeiner Stadt Palästinas notgedrungen eine Vermehrung und Verstärkung der nichtjüdischen Siedlung nach sich zieht. Und die Frage der Minorität kompliziert sich und verlängert sich in die Unendlichkeit Damit unsere Arbeit ihren unglückseligen Charakter verllere, die vom Gefühl begleitet wird: „Nur zu! Sonst ist's zu spät!**, damit wir von jener Lebensnotwendigkeit befreit werden, die uns vorderhand alle Mittel in den Beziehungen zwischen uns selbst und unseren Nachbarn gestattet, damit wir unsere Arbeit von jener eigenartigen Nervosität, von der Angst, daß uns das Letzte nicht geraubt werde, von den Hetzungen des Wettlaufs befreien, wüssen wir vom ersten Anfang an danach streben, das mögliche Maximum von Arbeit in jenen Teilen des Landes zu entwickeln, die weniger als andere besiedelt sind und wo der Konkurrenzkampf nicht so schwer sein kann. Unsere besten Kräfte: die Geldvorräte, den Geist der Wissenschaft, das schöpferische Vermögen und die ganze Tatkraft wollen wir dort einer von Anbeginn systematischen Arbeit weihen, damit wir endlich Boden fassen und die Früchte unserer Arbeit schauen. In Palästina sind in erster Reihe die Berghänge und die Täler von Obergaliläa über Safed, Nazareth, Sichern und Jerusalem bis Hebron bewohnt. Zwischen all diesen Positionen (mit Ausnahme von Jerusalem), die hauptsächlich von den Arabern bevölkert sind, deren nationalen Lebenskern sie bilden, werden wir nicht immer ungestört an unserer systematischen Arbeit weiter arbeiten können, um mitten zwischen ihnen in der nächsten Zukunft große jüdische Zentren zu errichten. Dagegen sind der Meeresstreifen mit den Dünen einerseits und das Jordänbecken mit seinen reichen Ländereien im Osten andererseits Gebiete, die weit weniger bevölkert sind. Uns wird es nach den Möglichkeiten, die uns gegeben sind, nicht schwer fallen, sowohl unsere Positionen an der Küste — von Repach bis Sidon — zu vereinigen als auch im Einverständnis mit der englischen Regierung uns auf dem staatlichen Boden im Jordanbecken von Jericho bis zum Ginosartale niederzulassen. Auch wird es uns gelingen, weitere Kolonisationsmöglichkeiten durch Bodenerwerb in den weiten Gebieten Südpalästinas von der Linie Gasa-Berseba bis zur Linie Arlsel-Akba zu gewinnen. Auch in Obergaliläa würde es uns möglich sein, die Tätigkeit durch Besiedlung des Bodens, der bereits in unseren Händen ist, und durch Neuerwerbungen zu erweitern. Gleichzeitig werden wir auch Positionen in anderen Gebieten zu gewinnen trachten. So im Jesreel-Tal, in Samaria, in Judäa, im Tiefland und in Ostjordanien. Aber hier hangen wir vom Zufall ab, von den Bedingungen des Kaufes, von deren ökonomischen und juristischen Terminen. Unsere Arbeit wird sich an den Seiten des langen schmalen Vierecks entwickeln. Aber im Innern werden sich nur langsam und je nach der Möglichkeit, je nach unseren Beziehungen zu den Eingeborenen unsere Positionen erweitern. Man muß unterscheiden zwischen dem eigentlichen Siedlungsproblem und der Frage nach den Aufnahmestädten für die Einwanderer. Die Vorbereitungsarbeiten, die gelegentlichen, wie auch die beständigen, werden unvorhergesehen Arbeitsarmeen an einem Ort verlangen. Wenn wir ihre Wohnungsfrage beiläufig erledigen werden, so können wir doch deren Familien nicht unter anormalen Wohnungsbedingungen festhalten. Eine wirklich großzügige Einwanderung kann und wird aber nur in Familien erfolgen. Nur auf diese Weise kann in Palästina eine neue wirtschaftliche und kulturelle jüdische Gesellschaftins Leben gerufen, nur so Märkte für die landwirtschaftlichen Produkte der jüdischen Arbeit errichtet werden, und die schaffende jüdische Familie erstehen. Es ist unmöglich schon am Anfang den Ort für jede neue Stadt und jede neue Kolonie zu bestimmen, weil dies von den vielen Kolonisationsfaktoren, von der wirtschaftlichen und sanitären Lage des Ortes, von seiner Entfernung zum Meere und endlich von den Beziehungen zur Bevölkerung der Umgebung abhängt. Andererseits ist es wieder unmöglich zu warten, bis alle Bedingungen erfüllt sind. D, h. man muß an jedem einzelnen Orte zur gegebenen Stunde mit dem Aufbau beginnen. Und es wird Orte geben, welche jahrelange Vorbereitungsarbeiten von Tausenden erfordern werden, bis sich dort eine Familie wird dauernd ansiedeln können. Aus diesem Grunde müssen Aufnahmestädte für die Familien der Einwanderer in jenen Zentralpunkten geschaffen werden, deren notwendige Entwicklung vom ersten Tag an keinem Zweifel unterworfen war. „Nach den ersten Ruhetagen wird der eingewanderte Arbeiter seine Familie in einer Wohnung einer solchen Aufnahmestadt unterbringen können, seine Kinder in die Schule schicken, teilnehmen können an den Werken der kooperativen oder der nationalen, wirtschaftlichen, sanitären und kulturellen Hilfstätigkeit, welche dort vorhanden sind, und an die Arbeit gehn. Nach einer gewissen Zeitperiode, von einem bis zu fünf Jahren, wird er sich dauernd mit seiner Familie in einer Kolonie niederlassen, auf die seine Wahl für eine land-