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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 554

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
554 (sequence 2)
Language
German
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554 Samuel Rappaport: mit göttlichem Wesen (Genesis 32. 28), welchen Namen er von nun ab als Vater aller zwölf Stämme des Volkes Israel trug, mit welchem Namen in Zukunft die ganze jüdische Nation, als „Söhne Israels", „Haus Israel" oder „Volk Israel" bezeichnet wurde und noch heute bezeichnet wird. Moses hat, um Josua, der mit den Kundschaftern nach Kanaan zog, die sittliche Kraft zu verleihen, im Glauben und in der Zuversicht stark zu bleiben und sich vom Kleinmut und der Schwäche der übrigen Kundschafter in dem zu bringenden Berichte nicht beirren zu lassen, seinen Namen in „Jehoschuah" (Gott helfe) geändert (Numeri 13. 16). Salomo erhielt vom Propheten Natans den Namen „Jedidjah" (Gotthold: Samuel II 12. 25) u. s. w. Durch den Namen wird die Persönlichkeit eines Menschen ausgedrückt. Wird im Himmel über einen Menschen ein Geschick verhängt, dann wird seine Persönlichkeit durch den Namen, den er im Leben trägt, bezeichnet. Zu den vier Handlungen, die ein im Himmel über einen Menschen bereits verhängtes böses Urteil rückgängig zu machen vermögen, gehört auch die Aenderung des Namens (Tr. Rosch ha Schanah 16 B. Midrasch Bereschit Rabbah 44. Kohelet Rabbah 58). Wenn im Himmel ein verhängnisvolles" Urteil über einen Menschen gesprochen wird, dann gilt es nur dem mit diesem Namen bezeichneten Individuum. Durch eine Aenderung des Namens eines solchen Individuums wird dieses zur anderen Persönlichkeit, der gegenüber jenes bereits gesprochene Urteil keine volle Gültigkeit mehr hat und unter günstigen Umständen, wenn die Aenderung des Namens auch überdies von Gebet, Wohltun und aufrichtiger Reue des Kranken begleitet wird, ganz aufgehoben werden kann. Schon im Mittelalter war es, wie die Quellen bezeugen, bei deutschen und französischen Juden Sitte, bei Schwerkranken die Aenderung des Namens vorzunehmen (Sefer Chassidim Nr. 244 und 245. Orchot Chaim von Ahron ha Kohen aus Lünel — lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts — Teil IL Berlin 1902 Seite 560). R. Moses Isserls („RMU") — lebte in Krakau im 16. Jahrhundert — kennt diesen Brauch und erwähnt denselben als allgemein üblich (Glosse des „RMU" zu Schulchan Aruch Joreh Deah 335 Absatz 9). Im Osten gewann der Brauch der Namensänderung bei Schwerkranken eine besondere Popularität und allgemeine Verbreitung unter den Volksmassen durch die Empfehlung des unter den Ostjuden überaus hochgeschätzten R. Jesaia Horowitz (SchLuH), der die Prozedur speziell behandelt und auch die dabei herzusagenden besondere Gebete angibt. (Kizzur „SchLuH" Zolkiew 1715 Blatt 95 Seite 1 und Blatt 95 Seite 2). Diese Gebete befinden sich, mit manchen unwesentlichen Aenderungen, in den meisten im Osten wie im Orient gedruckten ausführlichen Gebetbüchern. Da die Aenderung des Namens in der Regel bei sehr bedenklichem Zustande vorgenommen wird, wird sie dem Kranken gegenüber, damit er vom Ernst seiner Lage nichts erfahre, stets geheim gehalten, es sei denn, wenn er selber die Aenderung seines Namens verlangt. Man erfüllt selbstverständlich seinen Wunsch, bemerkt ihm aber zu seiner Beruhigung, daß angesichts

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