Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ziele und Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 553 (sequence 9)
- Language
- German
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amuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 553 IL Sozialökonomischer Prozeß: l. Statistik. 3. Juden und Nichtjuden. 3. Wirtschaft: a) Handel, b) Handwerk, c) Geldwirtschaft, d) Pacht, e) Landwirtschaft, f) Steuerverhältnisse der Juden. III. Nationalkultureller Prozeß: 1. Innere Verfassung (Gemeindeorganisation). 2. Familienleben. 3. Religiöses Leben. 4. Literatur und Wissenschaft. 5. Philosophie. 6. Kunst. 7. Volkskunde. 8. Geistige Strömungen. Bis zur Lösung der hier gezeichneten Aufgaben sind natürlich noch viele Vorarbeiten zu leisten. Es wird vor allem das ganze Material in weit größerer Ausführlichkeit in verbesserten Methoden gesammelt, gesichtet und in seinen Teilergebnissen nach den angeführten Gesichtspunkten zusammengefaßt und orientiert werden müssen. Daß sich dann noch etliche Abweichungen ergeben werden, ist selbstverständlich, aber schon heute kann man bei aller Unzulänglichkeit der Unterlagen die großen Entwicklungslinien zeichnen, die später im einzelnen deutlicher und feiner auszuführen sein würden. In jedem Falle erheischt die jüdische Geschichtsschreibung vielleicht mehr als jede andere eine vollkommen neue Orientierung, die uns einen vertieften Einblick in den Werdegang des jüdischen Volkes eröffnen soll- SAMUEL RAPPAPORT / AUS DEM RELIGIÖSEN LEBEN DER OSTJUDEN VI, Krankheit 3. Bräuche gegen Krankheit D. Namenändern. Ein im Osten weit verbreiteter Brauch zur Herbeiführung der Genesung eines Schwerkranken ist die Aenderung seines Namens oder wie es im Ritual heißt: Schinuj ha-Schem. Mit dem Namen ist die Persönlichkeit seines Trägers eng verbunden. Aus dem Namen eines Individuums soll man unter Umständen auf dessen Charaktereigenschaften und moralische Qualitäten schließen können. R. Meir legte dem Namen eines Menschen große Bedeutung bei und vermochte daraus den sittlichen Wert seines Trägers zu erkennen (Tr. Jumah 83 B). Im Namen liegt ein Stück der Individualität des Menschen, und insofern sein Name geändert wird, erfährt auch seine Individualität in ihrer Eigenart «nd in ihrem Wesen eine vollkommene Wandlung. Als Abram von Gott die Bestimmung zuteil wurde, der Vater vieler Völker zu werden, wurde sein Name Abram in Abraham geändert, in welchem neuen Namen seine neue BeStimnwng angedeutet erscheint (Genesis 17, 4-5>- Aus demselben Grunde wurde der Name seiner Gattin Saraj in Sarah umgewandelt. Jakob erhielt nach seinem Ringen mit dem Engel Gottes den Namen Israel, d. 1. Kämpfer Heft 9 36