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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 524

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
Das Prinzip der Assimilation
Date
1921-01-01
Page
524 (sequence 4)
Language
German
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524 Benzion Rubstein: ihrer Pioniere und ersten Anhänger; man tut zumindest ihrer geistigen Konzeption unrecht, wenn man ihr im Hinblick auf die Verzerrungen, die sie erleiden mußte, und die Entartungen und Würdelosigkeiten, die sie im praktischen Leben in so reichem Maße hervorrufen sollte, von allem Anfang an jede sittliche Grundlage abspricht und sie lediglich als ein egoistischmaterialistisches System der Streberei und des Höherkommens um jeden Preis darstellt. Sie ist der individualistische Weg des jüdischen Volkes. Nur so läßt sich zwanglos für alles Edle und alles Verderbte, alles Vergeistigte und alles allzu Praktische der jüdischen Assimilation eine einheitliche Erklärung finden: der Gelehrte und der Schieber, der Volkstribun und der Varietedirektor, der Bankmagnat und der Journalist, ihnen allen der ganzen Skala menschlicher Gesittung und Gesinnung, die durch moderne Juden personifiziert ist, allen stand das Dogma vor Augen, sie müssten ihre Persönlichkeit ausweiten, ihre Ideen zum Gemeingut machen, Offizier, nicht Gemeiner im Lebenskampf sein. Die Assimilation war die Schule, die in bester Absicht der Allgemeinheit die Führer, die Spitzen aus den hierzu geeigneten Juden liefern, die jene Hindernisse der Rasse und des Glaubens, die dem entgegenstanden, aus der Welt schaffen wollte, um der Welt zu helfen. Der Gedanke war gut, aber utopisch, auf falschen Voraussetzungen aufgebaut; das Resultat mußte Zerstörung und Kampf sein. Erst dem jüdischen Nationalismus war es vorbehalten, den Juden ein universalistisches Ideal zu geben: gibt es für den Assimilanten nur rein äußerliche Hemmungen der Persönlichkeitsausweitung (z. B. Antisemitismus), so führte er nach langer Pause als erster wieder innerliche ein, indem er — wenn auch bisher mehr instinktiv, als durchdachte auch noch lückenhaft und ohne scharfe Konsequenz — moralische Bindungen mit Rücksicht auf den Nationalge danken schuf und dem Einzelschicksal die Zukunft des Volkstums zur Seite, ja selbst gegenüberstellt. Hierin liegt seine Bedeutung für die Allgemeinheit, sein Verdienst, seine Ausnahmsstellung; und von dieser Erkenntnis muß eine nationaljüdische Politik mit Notwendigkeit ausgehen, wenn sie ihren großen Aufgaben gerecht werden will. BENZION RUBSTEIN / DIE ÖKONOMISCHE LÄGE DER JUDEN IN DER UKRAINE UND IHRE PERSPEKTIVEN Vorbemerkung Der Mangel an brauchbarer ökonomischer Literatur über das russische Judentum seit der Revolution ist erschreckend. Und er ist am stärksten in der Literatur jener Sprache zu verspüren, die in den letzten Jahren so viel von ihrer ehemaligen verbindenden Rolle im Judentum eingebüßt hat: Die deutschjüdische Publizistik nimmt, vom rein Chronikalischen abgesehen, kaum Notiz von den Vorgängen im russisch-jüdischen Wirt-

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