Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 8
- Article
- André Spire
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 509 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Andre Spire 509 so nah gewähnt hatte, ist immer weiter zurückgewichen, je mehr er sich ihm zu nähern suchte. Voll Sehnsucht nach der idealen Stadt der Gerechtigkeit sind er und seine Weggefährten, von innerer Unrast getrieben, auf- gebrochen und in ihren Gedanken stets schon am Ziele, haben sie der Schönheiten des Weges nicht geachtet. Aber das Ziel verschwand immer weiter, die Weggenossen fielen ermüdet ab, doch für Spire offenbarte sich plötzlich, von Strahlen des verheißenen Landes vergoldet, die Schönheit des Weges, der Cite präsente. In diesem Gedichtband zeichnen sich, in unvollkommener Sprache noch, die Umrisse der geistigen Gestalt Spires. „Zu leidenschaftlich, um sich mir dem Traum zufrieden zu stellen, zu stolz, um einverstanden zu sein, daß sein Ideal durch Verwirklichung sich entstelle, zu klug, um zu denken, es könne sich verwirklichen, ohne entstellt zu werden, gelangt Spire schließlich zu einer tiefen Traurigkeit. Eine kriegerische Traurigkeit, die niemals zur Verzweiflung hinabsinkt Es ist das „unvermeidliche Morgen" das vor ihm einhergeht und für Spire die Lebensberechtigung bildet. Ueber seiner Verzweiflung erhebt sich sein Enthusiasmus," Es ist der Weg des ewigen Wanderers nach dem Gelobten Lande, das er nie anders sieht, als von Berggipfeln aus am Horizonte. Es ist der Weg dessen, der in der Gegenwart fremd ist und für die Zukunft doch weise, aus dessen wissender Traurigkeit sich aber eine tiefe Liebe^zu allem Seienden beugt, es in seiner ungeheuren Buntheit umfängt und in seiner fremden Schönheit bejaht. Die Einsamkeit des ewigen Wanderers macht ihm bange; er will kein Fremder sein, er will den Ansässigen gleichen. Und in einem der Gedichte*) dieses Bandes, dem ersten, das in freien Versen geschrieben ist, bricht dieser Schrei aus, der der Schrei des Gezeichneten und des Ausgezeichneten ist, des Dichters unter den Mittelmäßigen, des Juden unter den Völkern: Mais ä nos sens trop fins tout a coup se revele Que nous sommes les Prangers, Oui les grands etrangers que les peuples detestent, Que les peuples toujours ont su faire souffrir. Et pris de peur, tächant de cacher comme un crime Tout eclat de mon äme et de votre beaut<5, Nous faisons un immense effort, pour ressembler A la foule qui nous enserre .... *) L'humfllte des rousses. (Schluß folgt).