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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 496

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 8
Article
Das Judentum in der abendländischen Musik
Date
1921-01-01
Page
496 (sequence 2)
Language
German
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496 H e i n r i c h B e r 1: II. Ist der Jude notwendig der unplastischste Typus, so muß er ebenso notwendig das Gegenteil sein — der musikalischste. Dies folgt bis zur Evidenz.^ Denn Plastik und Musik sind dieselben Urgegensätze wie Mann und Weib oder Tag und Nacht. Tatsächlich stehen wir hier vor dem überraschenden Aspekt, das Judentum unmittelbar mit der Musik in Beziehung zu bringen. Die Gründe liegen sowohl historisch, wie psychologisch auf der Hand. Historisch, wenn wir die Bibel durchgehen und darin aufdecken, daß die antiken Hebräer zwar keine plastische (bildende, philosophische) Kultur hervorgebracht haben, dafür aber offensichtlich eine musikalische (prophetischreligiöse). Man mag dies auf das mosaische Verbot zurückführen, doch könnte man umgekehrt — more psychologico — ebenso das Verbot auf das plastische Unvermögen des jüdischen Volkes zurückführen. Nicht allein das. Gewisse andere Momente sprechen ebenso stark dafür, wie die ewige Versatilität, das Ahasverische, die Diaspora*), überhaupt das ausgeprägte Relationsleben in den spezifischen Berufsarten usw. Alles dies setzt ein ^ständiges Bewegtsein voraus, und es liegt sachlich eine Berechtigung vor, Bewegung wenn nicht als Musik, so doch als Musikalität — also als psychologische Provinz — zu bezeichnen. Psychologisch kommen wir aber noch auf einen anderen Gesichtspunkt: wenn das plastische Vermögen den gleichen Urgegensatz darstellt wie der Mann zum Weib, so muß das ausgesprochen musikalische Vermögen des Juden aus einer spezifisch femininen — und infantilen — Grundnote seines Wesens herausströmen. Tatsächlich beruht das plastische Unvermögen auch auf einer psychologisch vollkommen unmännlichen Kategorie des jüdischen Geistes und die höchste Potenzierung des Emotionalen, Ekstatischen, Musikalischen auf einer vielmehr nach dem Weiblichen und vor allen Dingen nach dem Kindlichen hinneigenden psychischen Formation. Damit haben wir, wenigstens mit kurzen Worten, die „merkwürdige Verkettung des Blutes" erklärt. Es liegt natürlich nicht in der Absicht dieses Aufsatzes, die psychologischen Prämissen erschöpfend zu kennzeichnen*), nur schien es wichtig, darauf hinzuweisen, denn in der Musik begegnen wir ganz genau derselben Merkwürdigkeit, ohne daß man dafür bisher eine Erklärung gefunden hat. III. Alle musikalische Aesthetik hat bisher die Musik als reine Zeitkunst bezeichnet, weil sie keine seh- und greifbare Plastik hat. Tatsächlich besteht für sie das gleiche Raumproblem, wie für alle anderen Dinge auch. *) Wenn damit auch nicht gesagt sein soll, daß die Diaspora die eigentlichste Existenzform des jüdischen Volkes sei! *) Die tiefere psychologische Begründung, wie überhaupt die umfassende Darlegung des gesamten Problemkomplexes hat der Verfasser in einem noch unveröffentlichten größeren Versuch: ^Das Judentum in der Musik* gegeben,

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