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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 495

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 8
Article
Im Wirbel der Geschichte
Date
1921-01-01
Page
495 (sequence 21)
Language
German
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IRI
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H e i n r i c h B e r 1: Das Judentum in der abendländischen Musik 495 j bebrückt sind, zu finden sei. Und ich grub und suchte eifrig danach, und jnoch bevor die Zeiten zu Ende waren, so daß man in Ernst an den Ausj gang denken konnte, ward mir die Freude zu teil, noch im Lande der Stillen und Seligen zu leben, die nie, gleich mit-, vom Traum „Europa" umschlungen waren. Hinter der Teufelsbrücke fließen reine, tiefe Wasser, und die Ukraine kennt noch heute Menschen, die von ihnen trinken und so ihren Durst stillen. HEINRICH BERL / DAS JUDENTUM IN DER ABENDLÄNDISCHEN MUSIK i. Durch eine merkwürdige Verkettung des Blutes ist der Jude der unplastische Mensch par excellence. Er sieht die Dinge nicht in ihrer Gestalt; er schaut sie nur in ihrem Wesen. Es ist also im letzten Grunde die Fähigkeit zur Objektivation, die ihm „fehlt". Er erlebt alles aus höchstgesteigerter Subjektivität heiaus. Statt die Dinge von sich loszulösen, entzündet er sich an ihnen. Im Gegensatz zum „arischen" Menschen ist er durchaus synthetisch; er sieht alles in einer Gesamtbeziehung, nicht einzeln, analytisch. So kommt es auch, daß er in der formal-logischen Philosophie nie im eigentlichen Sinne „schöpferisch" war. Denn Philosophie ist Auflösung des Gefühls, geht nicht von dem Allgemeinen zum Besonderen, sondern vom Besonderen zum Allgemeinen. Ihre Ratio ist aber nichts anderes als Plastik, weil sie alles Gesamtgefühl in eine Statik, in ein Sorna der Denkgesetzlichkeit b^nnt. Darum ist der spezifische — hellenische — Grieche mit seinem ausgesprochen plastischen Weltgefühl der absolute Widerpart zum Juden. Aus diesem organischen Unvermögen zur Form, zur Plastik und darum zur objektiven Realität überhaupt wollte und will man heute noch auf das Unschöpferische der jüdischen Rasse schließen. An dem aristotelischen Begriff der Entelechie geschult — Stoff zu dem die künstlerische Form tritt — glaubt man nur einem ausgesprochen formbildenden Volk den Primat eines Kulturvolkes zuerkennen zu können. Die psychologische Vertiefung des Problems hat uns aber anderes gelehrt. Wichtiger als der Prozeß der reinen Formbildung ist der der Durchgeistigung. Form als solche ist tot, wenn nicht ein anderes Moment hinzutritt — das der Verlebendigung. Und so ist es mit der Kultur. Kultur als objektiver Form-Organismus ist tot, wenn nicht die subjektive Erlebnisfähigkeit hinzutritt. Jene subjektive Erlebnisiähigkeit ist aber nicht der Logos, sondern das Ethos; ist nicht die Ratio, sondern die Religio; ist nicht die Gestalt, sondern die Seele; ist nicht die Plastik, sondern — die Musik,

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