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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 456

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Aus der Vorgeschichte des Zionismus
Date
1921-01-01
Page
456 (sequence 10)
Language
German
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456 Umschau: Geschichte können, wären die Kräfte nicht durch häßliche Differenzen verzettelt und zermürbt worden. Es gab Streitigkeiten über den Text der beiden Protokolle von Kattowitz, Nur der hebräische Wortlaut wurde als authentisch erklärt, der deutsche in mehreren Punkten, namentlich in der Wiedergabe der Pinskerschen Rede, beanstandet, was zu schweren Mißverständnissen führte Schlimmer waren andere Dinge. Der Warschauer Kreis, besonders Rabinowitz, wurde in einem Pasquille der Geldunterschlagung und verschiedener Machenschaften bezichtigt, auf das Pinsker mit aller Deutlichkeit erwiderte. Zederbaum konnte es nicht wagen, im „Hameliz" Spendenausweise der Chowewe- Zion zu publizieren, weil ihm die Zensur, bei der ihn ein jüdischer Denunziant angezeigt hatte, auf den Fersen war. Solche Vorkommnisse verbitterten naturgemäß dieBesten. Eine Frage, welche das besondere Interesse der Chowewe-Zion beanspruchte, bildete die Entsendung eines Delegierten nach Konstantinopel und Palästina. Das Einwanderungsverbot bestand ungeschmälert fort, um, nach einer Erklärung des türkischen Konsuls in Berlin, die armen Juden an der Niederlassung in Palästina unter dem Vorwand der Erlangung der türkischen Untertanenschaft zu verhindern. Bei dieser Sachlage wurde von vielen der Wunsch geäußert, mit jeder Geheimnistuerei zu brechen und mit der Türkei offen zu verhandeln. Andere wieder verlangten, daß man ohne Rücksicht auf die Pforte viel Boden kaufen sollte, obwohl es recht zweifelhaft war, ob die Paschas dies zulassen würden. Pinsker war zunächst gegen die Besprechungen mit den Türken, weil nach einer Mitteilung Erlangers Rothschild von solchen Verhandlungen Gefahren für die bestehenden Kolonien befürchtete und im Lande besser ohne viel Aufhebens Boden gekauft werden könnte. Übrigens hoffte er viel von der Vermittlung Hildesheimers, der in Beziehungen zu dem Leibarzt des Sultans Elias Pascha und anderen einflußreichen Männern stand. Das war wieder eine trügerische Hoffnung, denn bald wurde erklärt, man könnte Leuten, die aus dem eigenen Lande fliehen, in der Türkei keinen dauernden V/ohnsitz einräumen. Nach mannigfachen Zwischenstadien stand fest, daß Kaiman Wissotzki die Reise auf eigene Kosten übernehmen werde. Über den Begleiter war man sich lange nicht einig. Es tauchten die Namen Dr. Loewe (Montefiores Sekretär), Graetz, Lilienblum, Dr. Rabinowitz (Paris), gegen den Mohilewer wegen seiner Freigeisterei von vornherein eingenommen war. Endlich wurde für diese Mission Eleasar Berich Im 6.Heft sind auf S. 391 in der XIV. Tabelle versehentlich für 1919/20 die für 1920/21 angegebe- Rokeach geeignet befunden. Wissotzki war In seinen Handlungen auch etwas eigenmächtig und'erregte bei Fünn und Lewanda dadurch Anstoß, daß er über die ihm von Warschau und Odessa für die Bilu und die Kolonien anvertrauten Gelder nach Belieben verfügen wollte, anstatt erst seinen Bericht zu erstatten, auf Grund . dessen über die Verteilung Bestimmung getroffen werden könnte. Auch andere Eigenmächtigkeiten Wissotzkis, wie die Veröffentlichung von Aufrufen und Kundgebungen in der Presse, erregten Widerspruch. In Konstantinopel hatte Wissotzki mit Elias Pascha und Venezianr, dem Bruder des Sekretärs des Baron Hirsch, verhandelt (u. a. auch über eine Agrarbank und die Gründung von Fabrikanlagen), in Palästina verteilte er Gelder, wählte für die Kolonisation verantwortliche Personen aus (siehe oben) und erstattete ausführliche Berichte nach Rußland Einen neuen Aufschwung brachte diese Reise ebenfalls nicht. Während Wissotzki in Konstantinopel und Palästina die Dinge zu ordnen suchte, bemühten sich die Chowewe-Zion mit Eifer um die Genehmigung des Verbandes durch die russische Regierung. Nachdem man sich auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt hatte, wurden Unterschriften für die Petition gesammelt. Poljakows Abwesenheit in Nizza, auf dessen Unterschrift besonderer Wert gelegt werden mußte, verzögerte die Einreichung. Endlich sandte er seine Unterschrift und 5000 Rbl. mit dem Versprechen, In der Sache weiter tätig zu sein. Baron Günzburg, jedem Emigrationsgedanken mit Energie abhold, hielt sich wieder fern. - Die Ungeklärtheit vieler auf der Kattowltzer Konferenz, und seither aufgeworfenen Fragen legte den Gedanken nahe, eine neue Konferenz zu berufen, die von den in der Arbeit am meisten bewährten Vereinen beschickt werden sollte. Einige wollten zuerst die Abhaltung von Kreisversammlungen und sodann die allgemeine Konferenz. Aus diesen Erörterungen ging dann die Konferenz in Drusgeniki (1887) hervor. Mit den Vorgängen am Vorabend der Zusammenkunft schließt die hier geschilderte Briefsammlung. Ehe man ein endgültiges Urteil fällt, wird man gut daran tun, die weiteren Bände abzuwarten. Eines läßt sich heute schon sagen. Die Arbeit der Chowewe-Zion kann, so verschieden man über ihren Wert denken mag, nicht mit der überlegenen Geste, die bei uns vielfach so beliebt war und noch ist, abgetan werden, denn sie bildet die unentbehrliche Voraussetzung für den späteren Werdegang der Idee, und ohne sie wäre die Herzische Periode völlig undenkbar. Josef Meisl igung. nen Prozentzahlen wiederholt worden. Die richtigen Zahlen für 1919/20 sind: 4.5,7.1,4.29» 11«9« Für die Redaktion veran:wo t ich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin — Jüdischer Verlag, Berlin. Druck von Zahn <£ Baendel. Kirchhain N.-L.

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