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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Der jüdische Wucher und der Judenhaß
Date
1921-01-01
Page
427 (sequence 12)
Language
German
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Der jüdische Wucher und der Judenhaß 427 Wucher tatsächlich unverschämt, ohne eine Belästigung zu befürchten. Umsichtige Christen sahen sich frühzeitig veranlaßt, die christliche Bevölkerung zu warnen, die Juden nicht aus dem Land zu treiben, damit nicht christliche Wucherer an deren Stelle ihr Unwesen treiben. Das Geldleihwesen als solches ist ein notwendiges, unabkömmliches Element des Wirtschaftslebens, das in den Händen irgend welcher Menschengruppe sich befinden muß. Bernhard von Clairvaux ermahnte in seinem Aufruf zum Kreuzzuge, „die Juden weder zu verfolgen noch zu töten noch zu vertreiben, da wo sie nicht wären, trieben es die christlichen Wucherer noch viel schlimmer." Diese deutliche Differenzierung zwischen den rücksichtslos wuchernden Christen und den wuchernden Juden, wo für die Sünden der Letzteren die Gesamtheit büßen sollte, betont Hirschel im 18. Jahrhundert: „Jüdische Wucherer gehen hier immer ins Kleine, die (christlichen) hingegen ins Große. Die jüdischen Wucherer werden in den Journalen ausposaunt und namentlich vorgeführt und das von Rechts wegen. Die christlichen Wucherer werden entweder ganz verschwiegen oder höchstens ihre Anfangsbuchstaben ■ genannt und das ist unrecht. Der Wucherer, er sei ein Christ oder Jude," adlig oder unadlig, verdient keine Schonung." Im neueren Rußland gab es in der zaristischen Zeit ganze russische Gouvernements, wo von Juden keine Spur vorhanden war und auf dem flachen Lande seit jeher reiche christliche Wucherer, Kulaki genannt, wirkten und wie ein Alp die Bauernbevölkerung drückten und sie aussogen, — von Gewaltätigkeiten gegen diese kreuzgläubigen herzlosen Zinsennehmer, von Wuchererpogromen, -metzeleien, -Plünderungen hörte man nie. Dagegen litten unter der Wut des russischen christlichen Volkes immer arme jüdische - Krämer,, Handwerker und Arbeiten Die wenigen Juden, die als Wucherer sich bereicherten, wurden gerade bei Pogromen gewöhnlich dank ihrer geachteten Vermögensposition am wenigsten von Treiben des Janhagels berührt. In Italien, hauptsächlich in dessen südlicher Hälfte, gibt es noch heute zahlreiche gutchristliche, einheimische Wucherer, — hat je der Unwille der Ausgesogenen gegen sie, nur im entfernsten eine Bewegung heraufbeschworen, die an die Hetzen des'Antisemitismus erinnern könnte, hat es dort je leichenbeladene Wuchererexzesse gegeben? Hat das südliche Italien, das der Juden im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts loswurde, gegen deren wirtschaftliche Nachfolger noch so schattenhaft das frühere antijüdische System fortgesetzt? Im Zentralasien der Gegenwart geben sich mit dem lukrativen Geschäft des Geldwechseins und des Wuchers ausschließlich die gut arischen Hindustanen ab, während der Jude dort seine Existenz durch das mühsame Handwerk der Seidenfärberei fristet2); dennoch brechen auch dort von Zeit zu Zeit Pogrome aus. Der Ursprung des spezifischen Judenhaßes muß ganz anderswo als in wirtschaftlichen Momenten gesucht werden. - J) „Non sunt persequendi Judaei, non sunt trucidandi; non sunt effugandi quidem, taceo <luod si desunt, peius iudalzare dölemus chdstianos feneratores." 2)Wahrmund: Nomaden 104. 38*

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