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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 417

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Der jüdische Wucher und der Judenhaß
Date
1921-01-01
Page
417 (sequence 2)
Language
German
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Der jüdische Wucher und der Judenhaß 417 werden, daß der Wucherbetrieb der Juden so alt wie der Judenhaß sei, daß allenthalben, wo Judenverfolgungen stattfanden, eine aggressive Auswucherung des Volkes durch die Juden feststellbar sei und daß in den judenfeindlichen Auslassungen seit jeher der Vorwurf des Wuchers sich an erster Stelle befinde. Für diesen Nachweis gibt es aber kein Belegmaterial. Der Wucher ist bei den Juden eine relativ junge Erscheinung der zweiten Hälfte des Mittelalters. Im Altertum währten von Antiochos bis Hadrian furchtbare Judenverfolgungen in Alexandrien, Zypern und sonst in den Ländern des Mittelmeerbeckens; griechische und römische Schriftsteller begleiteten diese Vernichtungsaktion mit böswilligen Behauptungen gegen die Juden, doch findet sich in allen diesen literarischen Anschwärzungen nirgends auch nur die geringste Erwähnung einer zu brandmarkenden wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden. In keinem noch so gehässigen judenfeindlichen Text eines antiken Antisemiten wird eines etwaigen jüdischen Wuchers gedacht. Eben-r sowenig ist es der Fall in den so heftigen judenfeindlichen Auslassungen, bei den verschiedensten christlichen Autoren bis über das erste christliche Jahrtausend hinaus. Noch im 9. Jahrhundert sehen wir, daß weder Amulo noch Agobard, bei aller ihrer Mühe das damalige westfränkische Juden- . tum verächtlich zu machen — sie ersannen zu diesem Zwecke verschiedene Lächerlichkeiten —, etwas von einem Vorwurf des Wuchers wissen. Das altrabbinische Schrifttum verdammte allen Wucher. Nach talmudischer Vorstellung darf selbst an Heiden kein Geld zu Wucherzwecken verliehen werden J). Zinsennehmer galten nach dem Midrasch als Sünder 2). Auf die Bemerkung eines Heiden, daß ein bestimmter Jude entweder wie ein Schweinezüchter oder wie ein Wucherer ausschaue, erwidert der Jude nach dem talmudischen Bericht: Beides ist den Juden nicht gestattet8). Die altrabbinische Sage erzählt: von den Toten des Tales Dura, die Ezechiel belebte, sei nur einer nicht auferstanden, nämlich ein solcher, der zu seinen Lebzeiten Wucher trieb4). Ausnahmsweise gestattet der jerusalemitische Talmud Wucherzinsen bei den Samaritanern zu Cäsarea zu nehmenß), zweifellos weil die Juden mit ihnen damals in arger Fehde lebten. Eine Ausnahme statuiert der Talmud auch, wo es sich um Lebensnotwendigkeiten handelt6). Die Juden haben die Geldwirtschaft nicht als erbliche Anlage im Blute, nicht einmal in Handelsform. In biblischer Zeit erscheinen uns die Israeliten zuerst als Viehzüchter, dann als Ackerbauer. Der Händler gilt kurz vor dem Verfall des nordisraelitischen Staates, beim Propheten Hosea, als Synonym des Phöniziers 7). Den Exulanten aus Judäa erteilt anderthalb Jahrhunderte später Jeremias die Weisung, sich im Lande des Exils ansässig zu machen und Gärten anzulegen 8), von Handelsgeschäften hören wir nichts. J) Makkoth22a. *) Exodus Rabba XXIX. 3) Ndarim.i9b. ') Plrke R. Elieser XXXIII. 5) Jer. Aboda Sara V 4. *) Baba Mezia 7 * a. *j Hosea 12, 9. 8) Jeremias 29, 5-

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