Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 416 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4i6 Matthias Mises: „ schwerer plötzlicher Erkrankung ruft man im Osten: Ribbono schel olam! (Herr der Welt!) es soll sein derschracken aber nicht derschlugen" (es bleibe bloß beim Schrecken ohne bösen Ausgang) d. h. der Schrecken möge die Sühne bilden und jede weitere schlimme Folge abwenden. Die Idee, daß ein erlittener materieller oder leichter körperlicher Schaden als Auslösung bezw. Sühne für begangene Verfehlungen, an Stelle einer schweren Bestrafung treten könne, entstammt dem älteren jüdischen Schriftum. So heißt es z. B: „Hat jemand eine Sünde begangen,, durch die er im Himmel sein Leben verwirkt hat, wenn ihm hierauf ein Ochs eingeht, ein Hahn in Verlust gerät, ein Glasgefäß bricht oder er gar an einem Finger Schaden nimmt, dann tritt dieser Schaden an Stelle der Strafe und die Rechnung (im Himmel) erscheint ausgeglichen" (Midrasch Rabbah, Bamidbar Absch. 9. 23). Der Sohar meint sogar, daß mitunter Krankheit an Stelle einer über einen Menschen verhängten Vermögensstrafe treten könne und wenn der Mensch an seinem materiellen Besitz einen entsprechenden Verlust erlitten hat, er seine Gesundheit dann wieder erlange, denn: „Wer mit Vermögenverlust bestraft wird, verfällt in Krankheit und er gesundet so lange nicht, bis er das hergegeben hat, wozu er verurteilt worden ist. Nachdem über ihn eine Geldstrafe verhängt worden ist und er die bestimmte Summe gegeben hat, wird er gesund." (Sohar. Haasinu Blatt 299) Gemeint ist hier natürlich ein unbeabsichtigter Vermögensverlust, da doch kein Mensch wissen kann, mit welchem Teil seines Vermögens er im Himmel bestraft worden ist, um eben diesen Betrag als Auslösegeld herzugeben. Entsteht in einer Familie, in der sich ein Kranker befindet, ein materieller Schaden, und mag er auch nicht unbedeutend sein, wird es immer als gutes Omen für einen günstigen Ausgang der Krankheit betrachtet. Man sieht hierin die offenkundige Huld der Vorsehung, die sich mit dieser Sühne begnügen will-und den Kranken den Seinigen zu erhalten bestimmt.hat. Der materielle Verlust bildet hier gewissermaßen, wenn auch unbeabsichtigt und unfreiwillig, die Kapparah für den Kranken, der hierdurch als vom Tode ausgelöst erscheint. MATTHIAS MIESES / DER JUEDISCHE WUCHER UND DER JUDENHASS 1. Nicht wenige materialistisch* orientierte Wirtschaftslehrer wollen den Ursprung des Judenhasses in der ökonomischen Ausbeutung, im Wucher der Juden sehen. Die Abweisung der Juden, die geschichtliche Repulsion des Semitismus durch Europa sei bloß ein Ergebnis des Geldverleihgebarens der jüdischen Einwohner in den verschiedensten Ländern Europas. Dieser populär gewordenen Ansicht ermangelt es jedoch an einem ernsten geschichtlichen Beweisstoff. Vor allem müßte der Nachweis erbracht