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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Briefe eines Chaluz aus Daganiah
Date
1921-01-01
Page
397 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Briefe eines Chaluz aus Daganiah 397. BRIEFE EINES CHALUZ A US DA GANIAH Die nachstehenden Briefe an Verwandte und Freunde stammen von Dr. Oswald L., einem geborenen Karlsbader, der, als Konzipient in Wien tätig, den Entschluß faßte, als landwirtschaftlicher Arbeiter nach Palästina zu-gehen, sich der sozialistischen Genossenschaft „Awodah* anschloß, sich in dem (in einem der Briefe erwähnten) - Pachtgut R, unweit von Prag, praktisch ausbildete und im Sommer X920 zu Schiff ging. Seine Frau Ella folgte ihm im Dezember. Er arbeitete in der ersten Zeit in Daganiah A, in der Kwuzah A. D. Gordons, von dessen wirkender Gegenwart man in den Briefen etwas verspüren wird. Wir wollen mit der Veröffentlichung dieser spontanen Äußerungen, die wir einer geplanten Sammlung von Palästinabriefen einiger Chaluzim aus der Tschechoschlowakei entnehmen, einen Einblick in das Leben eines „westlichen" Chaluz geben, glauben damit aber, auch das Gedächtnis unseres lieben Meisters Gordon, der sich-die Nekrologe verbeten hat, zu ehren. Daganiah, Jom Kippur (22. September 1920). Es bleibt mir kein anderer Tag vorläufig, als solche Feste, um zu mir und zu Euch zu kommen. Die andern sind voll von Arbeit von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergang, und habe ich am Abend auch noch die Kraft und Lust: zum Schreiben, so fehlt mir die Stille ringsum, denn die Lampen stehen dann im Speisezimmer und um sie herum sind die Kameraden geschart, sprechend, debattierend, singend oder lesend. Wenn ich dort eine Stunde oder etwas mehr hebräisch gelernt oder ein Kapitel in den Brüdern Karamasoff gelesen, zieht es mich hinaus ins Kühlere, Freie, unter die Sterne, und seit einigen Tagen unter den zunehmenden Mond. Auch mein Nachtlager habe ich unter freiem Himmel, auf der Terrasse, die zum See gerichtet ist, und selbst da schwanke ich immer zwischen Auge und Körper, wem ich sein Recht und seine Lust lassen soll, ehe ich das Leintuch über den Kopf ziehe (dies zum Schutze gegen Moskitos). Ich weiß nicht, ob ich es je einem gesagt habe, welche Angst ich vor dem hochsommerlichen Bild Palästinas hatte, wie ich mir alles grau und öde vorgestellt habe, auch wo es noch Grün gibt. Aber ist es, weil ich in der Geborgenheit eines Parkes oder des Blaus vom Genezareth-See lebe, jedenfalls ist mein Auge immer wieder durch ein Neues beglückt, manchmal in einer Atempause, während sich mein Rücken etwas geraderecken will; und sind es nicht Farben, so sind es Linien und Formen. Doch glaube ich auch, daß in unserer Landschaft in Böhmen, wo nicht gerade Wälder ihren schönen Tod sterben, kaum soviel Farbennuancen mit einem Blick das Auge treffen, wie hier bei Tagesanbruch, in der Mittagsglut oder im Sterben des Tages. Soviel habe ich schon in die Landschaft ringsum geschaut, von der Bergkuppe angefangen, auf deren Höhe Safed zu sehen ist, hinüber zum Massiv des Hermon entlang den sanften Hängen um den See herum, dann , dort wo der Jarmuk in die Jordansenke eintritt, auf der andern Seite die Höhen über Milchamiah, Betaniah und Har Poriah — und doch ist mir das Bild noch nicht im ganzen eingegangen, weil das Auge immer wieder wo

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