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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 395

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 7
Article
Streiflichter
Date
1921-01-01
Page
395 (sequence 3)
Language
German
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Streiflichter 395 Arabern mitzuteilen, wenn sie uns im Krieg, unterstützten, würden wir ein arabisches Reich errichten .. . Zugleich versprachen wir, den Juden Palästina als Heimstätte zu geben und die jüdische Einwanderung in jeder Weise zu erleichtern, so daß die Juden schließlich die Mehrheit in Palästina bilden würden. Zugleich trafen wir ein drittes Abkommen und zwar mit Frankreich, wonach Syrien, Palästina und Mesopotamien zwischen England und Frankreich aufgeteilt werden sollten. Diese drei Verpflichtungen, von denen eine der andern widerspricht, wurden also übernommen, und unter solchen Umständen muß nun der Oberkommissar sich bemühen, unsere Ehre, unser Ansehen und unsere Autorität zu wahren." Die von Macdonald (wofern seine Rede korrekt wiedergegeben ist) vorgebrachten Einzelheiten ermangeln zum Teil der Präzision. Erstens ist meines Wissens den Arabern niemals zugesichert worden, daß das zu schaffende arabische Reich Palästina mitumfassen sollte (dies scheint, wie manches andere, offen gelassen worden zu sein — immerhin wurde m. W. in den Verhandlungen von 1915/6 von einer durch das Rote Meer und das Mittelmeer bezeichneten Westgrenze gesprochen); es soll sogar britische Staatsmänner gegeben haben, die in der Errichtung eines britisch-jüdischen Palästina eins der Mittel sahen, einer Vereinigung der etwa zu schaffenden „kleinarabischen" Staaten mit allen bevölkerungsgleichen Ländern zu einem großarabischen Reich entgegenzuwirken (Palästina als der „Keil", der den asiatischen Teil „Arabistans" vom afrikanischen trennt). Zweitens hat England nicht versprochen, den Juden Palästina „als Heimstätte" zu geben; bekanntlich ist im Lauf der Verhandlungen die ursprüngliche Formel „Palästina als nationale Heimstätte" in „eine nationale Heimstätte in Palästina" abgeändert worden*). Drittens sind die verschiedenen Versprechungen und Vereinbarungen keineswegs gleichzeitig erfolgt (Macdonald weiß das natürlich auch, aber er sagt es anscheinend nicht präzis genug), sondern sie gehören, worauf ich bereits als auf etwas Beachtenswertes hingewiesen habe**), verschiedenen Stadien der Kriegslage und somit auch der englischen Kriegspolitik an. Diese kleinen Ungenauigkeiten des Ausdrucks schmälern jedoch nicht die Bedeutung von Macdonalds Rede, die eben die Tatsache aufhellt, daß es sich um Schritte einer wahllos und bedenkenlos werbenden, daher notwendigerweise in ein Netz von Widersprüchen geratenden Kriegspolitik handelt; Widersprüchen, die erst von der jene ablösenden' Friedenspolitik mit ihrer traditionellen Elastizität erledigt werden sollten, nicht indem sie überwunden, sondern indem sie. als nichtexistent behandelt wurden. Auf die Schwierigkeiten, die aus diesem System gewissen Funktionären in partibus infidelium, insbesondere Herbert Samuel, erwachsen sind, hat Macdonald hingewiesen. Das Bild wird freilich erst vollständig, wenn man daran denkt, daß es außer den solchermaßen mit der Aufgabe eines eben durch die Regierungspolitik ungeheuer erschwerten Inter- *) Vgl. Achad-Haam, Eine Vorrede (Der Jude V. 257). **) Zur Klärung (4. Heft). 26*

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