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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 407

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
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Date
1916-09-01
Page
407 (sequence 8)
Language
German
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J. Kaufmann: Die hebräische Sprache und unsere nationale Zukunft 407 Entsprechend der Stellung dieser Richtung zum Wesen des Judentums ist auch ihre Antwort auf die Frage nach dem Grunde alles Judenhasses und auch ihre Stellung zur Idee unserer Mission, unserer Auserwähltheit. Die „ewige Feindschaft gegen das ewige Volk", sagen sie, bestehe nicht wegen unserer abweichenden Ethik, unseres Monotheismus oder irgend welcher „ewigen Jdeen", sondern weil wir überall und auf allen Gebieten des Schaffens ein fremdes Element sind. Der Antisemitismus ist keine Psychose und keine Krankheit — der Liberalismus ist es. Die Judenfeindschaft ist eine notwendige Folge des Zusammenstoßes zweier Eigenarten und unsere können wir nur in Palästina durch produktives Schaffen entwickeln. Dort wollen wir ein Volk sein wie alle Völker und kein Übervolk. Die Idee unserer Auserwähltheit ist eine Legende. Und wäre sie auch einst eine Wahrheit gewesen, so ist ein Volk, das durch zwei Jahrtausende mit Erniedrigung und Fußtritt behandelt wurde, kein auserwähltes mehr — und bestände es auch aus lauter heiligen Märtyrern und lauter Spinozas. So wenden sich diese Gegner Achad Haams in ihrer Betrachtungsweise, die nur die Koordination: jüdische, dänische, spanische usw. Nation kennt, nicht aber die Gegenüberstellung: Judentum und das andere, in vielen Hinsichten dem Herzischen Ausgangspunkte zu — gegen das „geistige Zentrum" und den „geistigen Zionismus". Auch hängt es mit ihrer starken Betonung der Judenheitsstatt der Judentumsnot zusammen, daß das große soziale Empfinden Herzls bei ihnen eine Erneuerung und mächtige Verstärkung gefunden hat. Aber diese Gegnerschaft gegen Achad Haam hat übersehen, daß sein ethisches Ideal mehr regulativ-volksorientierende als konstitutive Final-Bedeutung beansprucht. Anderseits lassen diese Gegner das nationalpädagogische Moment fast ganz außer acht. Auch die Frage ist zu untersuchen: liegt nicht in ihren Ansichten eine absolute, objektiv unbegründete Überwertung des Europäismus, dessen zivilisatorische Normen zwar unschwer anzugeben, dessen kulturessentielles Wesen aber zumindest ebensowenig zu fixieren ist, wie, nach ihrer Meinung, das des Judentums? — Darüber in einem folgenden Aufsatz. Wien Abraham Schwadron DIE HEBRÄISCHE SPRACHE UND UNSERE nter allen Momenten, die das nationale Sein ausmachen, ist die Sprache von KJ b esonderer Wichtigkeit, denn sie ist es, wodurch die Nation zu einer gesonderten und einigen Gemeinschaft gestaltet wird. Die Sprache ist der den Völkern von der Geschichte aufgedrückte Stempel, der sie voneinander unterscheidet: sie ist das »principium individuationis" der Nation. Diese wird erst durch jene zu einem einheitlichen Organismus, der in der Geschichte einen bestimmten Platz einnimmt. Dies sei jedoch nicht gegen diejenigen gerichtet, welche das innere Wesen des Nationalen etwa im „nationalen Charakter" oder im „nationalen Geist" suchen. Was immer das innere Wesen der Nation sein mag, — ihre geschichtliche Entfaltung NATIONALE ZUKUNFT

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