Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 390

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Aus den Urkunden der Bne Mosche
Date
1916-09-01
Page
390 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3101111-3101112-8875879-3106937--0559-3107000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

390 Jakob Klatzkin: eine nationale Liebe ist in unserem Volk zu dieser Zeit nicht in zureichendem Maße zu finden, und daher ist es eine Aufgabe des Bundes, sie nach all seinem Vermögen zu wecken und zu kräftigen, die nationale Idee in den Gemütern des ganzen Volksauf zurichten und ihr die Suprematie über all die verschiedenen Ideen zu verleihen, die in den Abteilungen Israels lebendig sind. Da er weiß, daß es um Großes auszurichten eines dessen würdigen Geschlechtes bedarf, wird der Bund seine vornehmste Kraft der Vorbereitung des Geschlechts widmen; doch sind seine Augen allezeit auf das Zentrum der nationalen Arbeit, auf das Land unserer Väter gerichtet, und sobald seine Kräfte sich bis zu einem bestimmten Grade entwickelt haben, wird er, solange er dort noch nicht selber ganze und vollkommene Taten zu vollbringen vermag, danach streben, die Taten der andern zu ergänzen und zu vervollkommnen — solange er sich noch nicht auf seine eigene Macht zu stützen vermag, danach streben, der lebendige Geist in der Macht der andern zu sein. Zu diesem Zweck wird es seine Aufgabe sein, dort sein Netz mit vorzüglicher Weisheit auszubreiten, um stets klar und genau aus zuverlässigen Quellen alles zu erfahren, was die Beschaffenheit des Landes, die Bedingungen seiner Besiedlung und die Lage seiner Einwohner betrifft, alles, was geschieht und alles was geschehen kann, und wie und wodurch es geschehen kann; und mit alledem ausgestattet, wird er die rechten Mittel suchen, um seinen Geist allem was dort geschieht aufzuprägen, einen Geist reiner Liebe zu Volk und Land, einen Geist der Einigkeit und der Ordnung, der Einsicht und der Duldsamkeit; er wird sich jedes günstigen Ereignisses, jeder Gelegenheit bedienen, um die Handelnden und die zum Handeln Fähigen zu beeinflussen, und mit ihrer Hilfe, im Lauf der Zeit auch aus eigener Kraft, wird er mit zweckmäßigem Eingriff, mit klugem Anschlag alle Hindernisse bekämpfen, die sich der Wiedergeburt unseres Volkes im Lande unserer Väter entgegenstellen. Er wird bestrebt sein, die Lage derer, die sich dort schon niedergelassen haben, zu heben, den Neuankommenden den Weg zu ebnen, und überhaupt die Siedlung der Söhne Israel im Lande Israel zu vergrößern und emporzuheben, auf starken materiellen, moralischen und nationalen Grundlagen. DER GAST Ein Zufall war sein Eintritt in die Literatur, Zufall sein Wirken in ihr. Ein Zufall, will sagen: es war die Forderung der Stunde, und er sah es als seine Pflicht an, seine Meinung öffentlich zu äußern, zu wecken, zu mahnen, zu warnen, den Weg zu weisen, richtiger: zu weisen, daß ,,nicht das der Weg ist". So schrieb er einen Aufsatz, entledigte sich seiner Pflicht und beruhigte sich; abermals forderte es die Stunde und abermals ein Sichverpflichtetfühlen und wieder war uns ein Aufsatz geschenkt. Und aus diesen Forderungen der Stunden, aus dieser Verknüpfung von Zufällen sind uns vier Bände aneinander gereihter Aufsätze entstanden, die in einem Geist, ja selbst in einem Stil geschrieben und alle wie Ringe einer Kette ineinander geschmiedet sind. Vor uns ersteht ein ganzes und harmonisches System, vor dem wir staunen: wo ist das Gepräge des Zufälligen, des Zeitlichen? Aufsätze, die fünfundzwanzig Jahre lang über verschiedene Fragen und verschiedene Erscheinungen geschrieben wurden, sind miteinander verwachsen und wie aus einem Guß;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.