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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 372

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Der Zionismus Achad Haams
Date
1916-09-01
Page
372 (sequence 6)
Language
German
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372 Schearjaschub: Der Zionismus Achad Haams Um ihrer nächsten Aufgabe gerecht zu werden, der Einwirkung auf das Herz des Volkes, hat die zionistische Organisation im wesentlichen eine dreifache Tätigkeit zu entfalten. Sie muß ihre Mitglieder zu einem in jedem Betracht derart vorbildlichen Leben verpflichten, daß schon dadurch bei den Außenstehenden Hochachtung vor der Sache erzeugt wird, welcher die Organisation geweiht ist. Zum vorbildlichen Leben muß die Lgiuc-e treten, d. h. hauptsächlich die nationale Erziehung der Jugend. Es ist also die jüdische Kultur zu fördern und zu verbreiten, Liebe zu erwecken für die nationalen Güter und Traditionswerte des jüdischen Volkes: für „das Land der Väter und seine Besiedlung, die Sprache der Väter und ihre Literatur, die Erinnerung an die Väter und ihre Geschicke, die fundamentalen Sitten der Väter und die Art ihres nationalen Lebens von Geschlecht zu Geschlecht** [= „nationale Ethik" APD II S, 79 ff.]. Besonders muß sich schließlich die Organisation der Paljistinajaxkfi.it zuwenden. Fürs erste dient sie lediglich als Mittel zur Stärkung des Nationalgefühls. Sie soll das allgemeine Interesse der Judenheit für Palästina wieder wachrufen, den Geist des Volkes auf Zion konzentrieren — zur Vorbereitung und Grundlegung der eigentlichen, umfassenden, großzügigen Palästinaarbeit späterer Generationen. Daher kommt es weniger auf quantitativ als auf qualitativ befriedigende Leistungen an. Nur mustergültige Schöpfungen im Lande der Väter werden imstande sein, das Interesse der Gesamtjudenheit zu erregen, und sie allein können als zulängliche Vorbereitungsarbeit angesehen werden.*) Bevor jedoch das Kolonisationswerk planmäßig einsetzt, muß notwendig eine Bedingung erfüllt sein: die Erlangung der türkischen Regierungszustimmung zu den kolonisatorischen und kulturellen Unternehmungen. Allein auf dieser rechtlich gesicherten Grundlage darf die zionistische Organisation in Palästina ihre Wirksamkeit entfalten.**) Wenn das Werk so zur Ausführung gelangt, läßt sich auf dem Wege stetiger Entwicklung das „Gegenwartsideal" verwirklichen. Durch qualitativ wertvolle Leistungen in Palästina wird in weiten Kreisen der Judenheit das Interesse für Zion geweckt und die Neigung zur eigenen Mitarbeit angeregt werden. Dadurch schon erweist dann Palästina seine Einigungskraft: als Interessenzentrum der zersplitterten Volksteile. Je mehr aber die Zahl und Stärke der Mitarbeiter wächst, desto größere und raschere Fortschritte muß wiederum das Kolonisationswerk machen.***) Dergestalt geht die Arbeit der „Priester" unmerklich über in die Arbeit der Volksgesamtheit; die vorbereitende Tätigkeit entwickelt und erweitert sich in kontinuierlichem Flusse zur Haupttätigkeit« Das heutige ,»Gegenwartsideal** gewinnt Wirklichkeit und ein neues wird an seine Stelle treten als Anzeige einer weiteren Station auf dem Wege zum historischen „Endideal" des jüdischen Volkes.f) Schear Jaschub *) APD I S.8f., i8f., 8off.; III S.91—94; IV S. 124fr., 198—205. **) APD II S.29 mit Anm., 37t; III S. 201. ***) APD I S.8off. f) APD IV S. 178, 18z.

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