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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 366

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Achad Haam als Erzieher
Date
1916-09-01
Page
366 (sequence 6)
Language
German
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366 M. Ehrenpreis: Achad Haam als Erzieher zuteil geworden. Die Monatsschrift „Haschiloach", die er „in seinem Ebenbilde" geschaffen, wurde zu einer Art Baumschule aller, die heute hebräisch schreiben und dichten. Wir alle, auch die zeitweise rebellischen „Jungen", sind hier bei ihm in die „Schule gegangen". Vielleicht war am Ende jene „Fehde" zwischen ihm und uns „Jungen" (1897) ein gegenseitiges Mißverstehen. War nicht er selbst der „Junghebräer", den wir meinten, der allererste unter jenen „ersten Europäern in der hebräischen Literatur", die wir kommen sahen („Welt" I, 7), die bewegende Kraft jener vielbespotteten, literarischen „Revolution", die wir Jungen — vielleicht allzu vorlaut — forderten (vgl. Ehrenpreis im Haschiloach I, 503) und die heute —1 um nur dies zu erwähnen — in der junghebräischen Lyrik ihren glanzvollen Triumph feiert? Langsames Fließen wollte er, der Evolutionist, wie die „Wässer des Schiloach" — seine Stoßkraft war jedoch mächtiger als sein Programm. Er wurde der Pfadfinder der hebräischen Moderne. Von seinem Einfluß auf die Bewegung Erschöpfendes zu sagen, ist heute noch verfrüht, denn dieser ist gerade jetzt im raschen Wachsen begriffen. Es ist allbekannt, wie er sich seit dem ersten Auftauchen des Baseler Zionismus (wie vorher gegen Pinsker und gegen die Chowewe Zion) leidenschaftlich auflehnte gegen den Terrorismus der Phrase, gegen blendenden Personenkultus, gegen alle Verirrungen und Verzerrungen der „Partei", und vor allem: gegen jede Verdunkelung des Nationalen in der Bewegung. Einsam folgte er von seiner hohen Zinne dem Gang der Ereignisse und wurde nicht müde, zu mahnen und zu warnen. Abseits stehend, frei von jeder parteimäßigen Bindung seine eigene Wahrheit — seine zentrale Lebenswahrheit — kündend, wirkte er allein durch die nachhaltige Macht seines Wortes mitbestimmend auf den Werdegang der Dinge. Er wurde das Gewissen der neujüdischen Bewegung. Heute huldigt ihm, dem grimmigen Widersacher der zionistischen Organisation, das zionistische Aktionskomitee als dem Manne, „dem die meisten unserer jüngeren Mitarbeiter den intimsten Inhalt ihrer zionistischen Weltanschauung verdanken". Heute wird seine Grundlehre vom „geistigen Zentrum" nicht mehr als Achad-Haamismus, sondern als die legitime Theorie des Zionismus vorgetragen (Zionism and the Jewish Future, London 1916). Nichts kann deutlicher die sieghafte Macht seines Einflusses innerhalb der Bewegung illustrieren. Die Revision des Zionismus, deren Anfänge schon jetzt sichtbar werden, wird im Zeichen Achad Haams stehen. Seine nationale Erziehungstat ist noch nicht abgeschlossen. In schicksalsschwerer Zeit begehst Du, Achad Haam, Deinen sechzigsten Geburtstag. Du hast keinen Grund mit Deinem —■ hoffentlich noch nicht abgeschlossenen — Lebenswerk unzufrieden zu sein. Andere haben Bücher auf Bücher gehäuft, andere haben kraft ihrer suggestiven Persönlichkeit mächtige Organisationen geschaffen. Du aber hast ein Geschlecht neuer Juden erzogen, die mit Deiner Fackel in der Hand die Wege weitergehen, die Du gewiesen. Die jungen, glaubensstarken Juden grüßen Dich heute in dankerfüllter Liebe. Stockholm M. Ehrenpreis

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