Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gegen den "amerikanischen" Zionismus
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 379 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Gegen den „amerikanischen" Zionismus 379 Risiko verbunden isf und daher in den ersten Kolonisationsjahrzehnten ein gewisser Risikoausgleich geschaffen werden muß. Ich will an dieser Stelle nicht in eine Debatte mit den Ruppinschen Ausführungen eintreten, denn uns trennen nur Fragen der praktischen Durchführung, nicht solche von prinzipiellem Belang. Gemeinsam ist uns, daß in Palästina letzthin eine neue Bodenbesitzordnung durchgeführt werden muß, und das bedeutet ein revolutionäres Prinzip, für das es im gesamten europäisch-amerikanischen Wirtschaftskreise keine Analogie gibt. Gemeinsam ist uns, daß die Bodenspekulation als solche möglichst bekämpft werden muß. Denn auch hier führt der „amerikanische" Standpunkt, konsequent zu Ende gedacht, sich selbst ad absurdum. Der „amerikanische* Zionismus ist noch zu sehr in den Gedankenkreis eingesponnen, der ihm durch die wirtschaftliche Mittlerrolle der Juden in der Diaspora vertraut geworden ist. Unter diesen Umständen, bei einem nicht zu bedeutenden Prozentverhältnis der Juden, kann man sich vorstellen, daß Bodenkauf¬ und Verkauf einer großen Zahl von Juden Existenzmöglichkeiten bietet. In Palästina liegen — man schämt sich fast, solche Selbstverständlichkeiten sagen zu müssen — die Verhältnisse grundlegend verschieden. Da in absehbarer Zeit in größerem Umfange nur von Juden Ländereien benötigt werden, so leben die jüdischen Bodenspekulanten auf Kosten der einwandernden Juden, und 100 Bodenspekulanten vergrößern zwar die Zahl der Einwanderer um 100, aber verlegen Tausenden den Weg, die gewillt sind, Palästina durch jüdische Arbeit zu erobern. Wir sind jetzt an einem Punkte, an dem wir die Tatbestände der bisherigen Kolonisation zur Verifizierung -heranziehen können. Es sei mir erlaubt, in diesem Zusammenhange auf ein Buch hinzuweisen, das in Deutschland noch sehr wenig bekannt geworden ist: „Die Erez-Israel-Arbeit" (Herausgegeben vom Arbeitssekretariat des Weltverbandes der Poale-Zion, Jaffa 1920, in jiddischer Sprache); dort ist gerade dieser Problemkreis mit besonderer Sorgfalt behandelt. Die Kolonisation vor dem Kriege, die zum größten Teil ohne Eingriff der Zionistischen Organisation und ihrer Organe erfolgte, war auf dem Privateigentum an Grund und Boden aufgebaut und bediente sich der „bewährten** europäischen Methoden. Und was war der Erfolg? 8000 arabische Arbeiter neben 2000 jüdischen selbsttätigen Landwirten und Arbeltern. Glaubt man auf diese Weise Palästina kolonisieren zu können? Schon vielerorts ist es gesagt worden und immer wieder muß es gesagt werden: Nur im Bunde mit den palästinensischen Bauern werden die Juden Palästina aufbauen. „Wenn aber der Fellache im Juden ebenso den Herrn sehen wird, der ihn arbeiten läßt, während er selbst vom Ertrage der Länderelen lebt, dann wird der Bauer zusammen mit dem arabischen Großgrundbesitzer, mit dem ihn nationale und religiöse Bindungen einigen, gegen den Juden, gegen die jüdische Einwanderung Front machen*"*) Eine Kolonisation, die lediglich auf Privatinitiative aufgebaut ist, wird diesem Problem niemals gerecht werden, und so ergibt sich auch aus der Araberfrage mit zwingender Notwendigkeit eine Akzentverschiebung zu Gunsten der Gemeinschaft. Ich will hier abbrechen: denn es sollte sich in dieser Studie nicht darum handeln, positiv zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Das ist an anderer Stelle geschehen. Fritz Sternberg *) Sternberg a. a. O. S. 95. 25*