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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 6 · p. 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 6
Article
Von nationaler Bereitschaft der Intellektuellen
Date
1921-01-01
Page
374 (sequence 8)
Language
German
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374 Lud wlgS trau fl: Freuden, mit denen sich ihnen der Tag füllt. Aber nicht hur dieses Handgreifliche; das, vor jedermanns Auge gestellt, sich mühelos erkennen läßt, blieb Ihnen bisher ein abstrakter Schemen. Noch^ ist nicht von dem Wichtigeren gesprochen worden, das in dem Alltäglichen nur einen Ausdruck hat und das wahrzunemen einen besonderen Sinn erfordert. Es verfügt nämlich, wie wir sahen, der Volksfreund jeder anderen Nation über eine mehr oder weniger mühevoll erarbeitete Konzeption von der Seele des eigenen Volkes. Die starken prägenden Gewalten der Jugendzeit haben ihm ihren Grundriß beinahe wie ein Geschenk in die eigene Seele hineingezeichnet. Für ihn bedarf es nicht einer mühsäligen Erforschung dessen, was die Heutigen mit den Geschlechtern der früheren Zeit verbindet; er weiß in sich eine .untrügliche Witterung für die bauenden und niemals ansetzenden Gewalten, die der Nation das Leben verbürgen. Gewiß kann er je nach seinem Temperament und nach seiner Einbettung im Sozialen seine Stellungnahme hundertfach verschieden gestalten — darin wird stets die Fülle und die reiche Verzweigung der nationalen Lebensströme zum Ausdruck kommen. Das Formende aber, das hinter seinen Entschlüssen steht, wird bestehen in jener im wesentlichen eindeutigen Konzeption der aus der Vergangenheit in das Zünftige planvoll wachsenden Volksgegenwart. Diese grundlegende, instinktive Erfassung des Nationalen besitzt der Westjude nicht. In Deutschland wohnend, mag er ein bestimmtes Gefüge von Eindrücken der deutschen Volkslandschaften, ihrer Geistigkeit und Vitalität, wie auch der sie speisenden Quellen sein eigen nennen. Den Volksgenossen steht er unsagbar verarmt gegenüber. IN MEMORIAM FRITZ MORDECHAI KAUFMANN Lange rührt ich nur scheu, Freund, an das Saitenspiel, Das du liebtest, das wirr in deines Todes Hauch Summt. Nun greif ich das Lied, das Laut dein Bild aus dem Finster ruft. Breit im Stand wie im Schritt schufst du mit Seemannsgang Fest und wiegend zugleich dir auf beständig hoch Dich umwogender Fülle Mitbewegt, widerstehend Halt. Erde war dir ein Meer, daß, wie du baumhaft auch Wurzelnd griffst in den Ort, immer wie Seewind doch Dich der teueren Ferne Herber, bräunender Hauch umflog.

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