Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Schichtengliederung der israelitisch-jüdischen Gesellschaft
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 346 (sequence 10)
- Language
- German
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346 Samuel Ruppaport: die Mehrzahl der zu Proletariern Gewordenen es vorgezogen haben, in die Familie und das Hauswesen eines guten Herrn als Sklaven einzutreten und ihre Freiheit zu verkaufen. Dort waren sie ja immerhin der Sorge um die Beschaffung der notwendigsten Lebensmittel für ihre Familie enthoben. SAMUEL RAPPAPORT / AUS DEM RELIGIÖSEN LEBEN DER OSTJUDEN VI. Krankheit 3. Bräuche gegen Krankheit C. Auslösen (Fortsetzung) Sämtliche Arten der Spenden, des Almosengebens und sonstiger Wohltätigkeit haben, wenn sie für die Genesung eines Kranken geübt werden, den besonderen Zweck, das Verdienst dieser guten Taten ihm angedeihen zu lassen und ihn dadurch sozusagen vom Bann des Todes zu befreien, mit anderen Worten ihn vom Tode auszulösen. Es gibt aber nebenbei auch besondere Arten der Zeddakah, die als wirkungsvolle Mittel unter gewissen Umständen einen Kranken auszulösen vermögen. Es sind dies ganz besondere und eigenartige Segullot, die, rein kabbalistisch-mystischen Ursprungs, dem gewöhnlichen Laien ganz unverständlich sind und unter genauer Beobachtung spezieller Zeremonien vorgenommen werden müssen. Gerade wegen dieses geheimnisvollen Wesens stehen viele solcher Segullot nicht nur bei der breiten, naiv-gläubigen Volksmasse, sondern selbst bei vielen talmudisch gebildeten Kreisen in hohem Ansehen. Eine dieser kabbalistischen Methoden des Auslösens eines Kranken ist die von R. Jesaia Hurwitz (SchLuH) empfohlene Segullah des „Pidjon nefesch" d. h. das Auslösen einer Seele (Kizzur Schluh Schluß). Diese Segullah ist nicht nur unter den Ostjuden, sowohl bei Chassidim wie bei vielen Mitnagdim, sondern auch in vielen Kreisen der nicht-chassidischen ungarischen Juden, wohl unter Einwirkung des Ostens, weit verbreitet und anerkannt. Eine gründliche Erklärung der Zeremonie dieser Segullah würde wegen ihrer Kompliziertheit den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten. Doch soll hier im folgenden versucht werden, sie in Kürze darzulegen; dies schon deswegen, weil diese Segullah in gewisser Beziehung ein klassisches Beispiel der praktischen kabbalistischen Zahlensymb^lik darstellt. Zum Verständnis der Ausführung der Zeremonie dieser Pidjon-Nefesch- Segullah muß folgende Erläuterung notwendig vorausgeschickt und im Auge behalten werden, da sonst die ganze Handlung zusammenhanglos und ohne jeden Inhalt erscheinen würde, wobei bemerkt werden muß, daß ich mich hier nur auf die für diese Segullah bestimmenden Momente beschränke. Nach altjüdischer Lehre sind es zwei primäre Attribute oder Prädikate, die der Gottheit zukommen und unter deren Gesichtspunkt das All geschaffen und regiert wird. Es sind dies das Attribut des Erbarmens, die „Middat ha