Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Im Wirbel der Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 337 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Rob ert We i ß: Zur Schichtengliedefung äer israelitisch-jüdischen Gesellschaft 33*7 es, das ohne den Weg einer tatkräftigen Kultur zu betreten, mittelst der oktroyierten Macht versucht, Zivilisation beizubringen. Da stößt aber unumwunden die Revolutionsgewalt auf die anders gerichtete Kultur und Geschichte, die sich an~der Peripherie des Russentums und des Russenreiches sammeln. Die Ukraine vor allem ist es, die ein glänzendes Kapitel des Kampfes der Revolution um ihr nationales Ideal, des not gedrungenen Kampfes mit der anders gearteten Kultur einst eilung bietet. Auf die Metaphysik des Geschehens muß man Acht nehmen, de profundis, metahistorisch muß man hie und da schauen, um des Sinnes des sich abspielenden kultur-historischen Dramas habhaft zu werden. ROBERT WEISS / ZUR SCHICHTEN¬ GLIEDERUNG DER ISRAELITISCH¬ JÜDISCHEN GESELLSCHAFT (Bis zum Jahre 586 v. Chr. G.). In einem geistig, kultisch, politisch, wirtschaftlich überaus differenzierten Gebilde, wie es der israelitisch-jüdische Staat und seine Nachfolger gewesen sind, entwickelte sich eine soziale Schichtengliederung, an deren Mannigfaltigkeit und scharfer innerlicher und äußerlicher Gegensätzlichkeit jede Zusammenfassung der widerstrebenden Kräfte in einheitlicher Richtung scheitern mußte. Nur während der kurzen Periode des Großkönigtums David's und Salomos war es möglich gewesen, unter Aufbietung aller weltlichen und geistlichen Bindungen und Machtmittel, das Volk dem Willen des Königs gefügig zu machen. :— Wir werden im Nachfolgenden nur diejenigen sozialen Schichten besprechen, die mit Einfluß und Bedeutung das historische Leben der Gesellschaft gestalteten*). I. Die größte gemeinfreie Schicht im israelitisch-jüdischen Sozialkörper bildeten bis zur Exilzeit die Bauern. Sie hatten allmählich die Agrikultur. der Kanaaniter erlernt und bestellten den Boden ihrer durchschnittlich kleinen Familienerbgüter nach traditioneller, althergebrachter Technik. Wie fast bei jedem Volke, waren auch die israelitisch-jüdischen Bauern konservativ gesinnt und siedelten bis in diespäteste Zeit in der sozialen Form der Geschlechtsgenossenschaft, sie war ja die sozial-wirtschaftliche Ausdrucksform ihrer von der Idee des Solidarismus ausgehenden sozialen Grundanschauung; jener Vorstellung der Gliederung des Volksganzen in die Solidaritätskreise des Volkes, der Ortsgemeinde und des Geschlechtes, be- *) Die Untersuchung der gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklung^ der Priestergeschlechter sei einer späteren Darstellung vorbehalten.