Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das wirtschaftspolitische Interesse an Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 330 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Darid Koigen: zentralisiertes großes türkisches Reich voraus, das seinerseits durch Bahnlinien mit den Mittelmächten verbunden wäre. Dieses Reich hat zu bestehen aufgehört; und worauf es jetzt * ankommt, sind die Verbindungen Syriens und Mesopotamiens nicht mit Kbnstantinopel, sondern mit dem Meer. Diese Wandlung hat Haifa seine neue Bedeutung verliehen, als dem natürlichen Endpunkt der Verbindungen zwischen dem nördlichen Mesopotamien und dem Meer. Es erbt die Größe, die die Vorkriegsprojekte Alexandrette zudachten. Ueberdies ist es die natürliche Station für die englische Marine im Mittelmeer und wird für die englische Weltpolitik im Orient an die Stelle Zyperns treten, das keine Häfen hat, während Haifa ohne übermäßigen Kostenaufwand ein vortrefflicher Hafens werden kann . . . Wenn man die Zukunft Palästinas erwägt, ist es unmöglich, den Anteil zu vernachlässigen, den die Wirtschaft an der Geschichte des Landes hat . . . Seine Lage im Orient wird ihm, als Durchgangspunkt des Welthandels, seine Zukunft verbürgen. Es hatte seinen Reichtum stets seiner eigentümlichen Lage zu verdanken; und wenn diese Bedingungen auch zum Teil durch die Eröffnung des Suezkanals verändert worden sind, hat doch der Landweg nach dem Orient seine Bedeutung bewahrt. Palestine (Organ des British Palestine Commitee, das seinem Programm nach danach strebt, „die alte Herrlichkeit der jüdischen Nation in der Freiheit eines neuen britischen Dominions in Palästina wiederauferstehen zu lassen") vom 8. Oktober 1921. DAVID KOIGEN / IM WIRBEL DER GESCHICHTE (Lose Tageluckblätter) VI. Zusammenhänge. Wer im Russenlande etwas sehen oder gar ausrichten will, muß eine Prophetengabe bekunden. Das Russenvolk verlangt Propheten, die himmlische Gesichte vorzeigen, apokalyptischen Reitern nachjagen und das Gottesreich verkünden. Wem es an solcher Prophetengabe gebricht, der vermochte zumal im russischen Schrifttum keinen dauerhaften Einfluß auszuüben. Nur Donner und Blitz, Sturm und Wind vermögen die russische Wüste, wo im Dunkeln das verzauberte Kitesch sich verborgen hält, zu erleuchten und zu beleben. Solange der Donner nicht kracht, bekreuzigt sich auch der Muschik nicht. Tschapow, ein verschollener russischer Denker aus dem vorigen Jahrhundert, las aus dieser Eigentümlichkeit des russischen Menschen eine besondere Physiologie heraus. Der Russe leide körperlich, leiblich an schwacher Sensibilität. Nur außerordentliches Geschehen, Ereignisse übermenschlicher Art vermögen in ihm Leben zu entfachen, einen Eindruck zu hinterlassen. Wie es denn auch die Vorfahren der Moskowiter