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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 310

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Das Weib des Akiba
Date
1921-01-01
Page
310 (sequence 12)
Language
German
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3io Moritz Heimann: Abuja: Laß auch die Zange ruhen, Meister. Was ich dir sagen will, darf ich nicht schreien; aber ich will es auch nicht vorbei sagen an deinen andern Gedanken. R. Josua: Meinst du, ein Leben reichte aus, daß man seine Gedanken immer nur einen nach dem andern denken könnte? Vieles regt sich umeinander im Herzen; meine Nadeln, und Rabbi Elieser, dem heute der Bann verkündet wird, und Akiba, der ihn ansagt, und Gamliel, der ihn verhängt hat, und der Römer, und Hunger habe ich, — und du, Abuja. Sprich, so lange der Hammer ruht. Abuja: Höre einmal an all deinen andern Gedanken vorbei, Rabbi Josua. Nicht viele sind not, einer ist not. Ihr Schmiede wißt das nicht, ihr harten, groben Schmiede. * R. Josua: Bin ich ein grober Schmied? Abuja: Rühmt ihr alle nicht Akiba, daß er die Lehre zu einer Kette von Ringen macht? Und wißt nicht, daß sie schon vordem eine-Kette war! R. Josua: Du wirst ein Abtrünniger werden, Abuja. Abuja (erschrickt): Ich will kein Abtrünniger werden von Gott, eher möchte ich sterben. Ist er es nicht, der Hochheilige, der mir meinen Sinn gegeben hat? Ich will nicht abtrünnig werden von meinem Sinn. R. Josua: Wer zu früh in Gottes Willen dringen will, bleibt immer draussen. Abuja: Draussen, draussen bin ich. Nimm nur wieder dein Hämmerchen! R Josua (legt nun auch Zange und Draht weg): Geh ins Lehrhaus, Abuja, und sei fleißig. Grüble nicht und brüte nicht über einem runden Stein. (Kjttlder kommen die Straße her, der vorderste von ihnen treibt einen Kreisel. Der Kreisel springt dem Rabbi Josua in den Schoß. Die Kinder lachen und drängen zu dem Amboß hin; nur der den Kreisel gepeitscht hat, bleibt verlegen zurück. R. Josua: Komm nur auch du und hol' dir dein Spielwerk. (Der Knabe tritt hinzu, und Josua gibt ihm den Kreisel zurück.) Ein anderer Knabe: Warum läßt du dein Hämmerchen ruhen, Rabbi Josua? wir wollen zusehn. R. Josua: Lern' von den Kindern, Abuja, (er nimmt den Hammer, tut aber nur spielende Schläge damit) hat doch der weise Salomo gar befohlen, von der Ameise zu lernen. Nun geht, Kinderchen, an eure Arbeit, euer Spiel. Der Knabe, der gesprochen hat: Unser Spiel — ist jetzt deine Arbeit; mach* wieder: pink, pink. R. Josua: Kluger! (Die Straße her kommt Akiba in schwarzer Trauerkleidung und tritt zu Josua ein. Die Kinder drängen sich scheu aneinander und zur Seite.) R. Akiba: Fürchtet ihr euch vor mir? Wie alt bist du? Der Knabe der gesprochen hat: Sieben Jahr. Am Abend des Neumonds Ab werde ich acht. R. Akiba (beugt sich nicht ohne Hast und streichelt die Wange des Knaben, doch die Schüchternheit der andern wächst): Sorgt nicht! Ich habe nicht Trauer um einen Toten angelegt. Lernt den Psalm und singt ihn täglich —

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