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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 284

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdische Geschichtsschreibung
Date
1921-01-01
Page
284 (sequence 2)
Language
German
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Josef Melsl: Spinozas auf Hegel bewirkte, daß bei diesem verschiedentliche Anklänge an die jüdische Religionsphilosophie wiederkehren. Leopold Zunz war zwar kein Stockhegelianer, abar er stand doch im Bann dieser Modephilosophie, die seine Beleuchtung des Judentums beeinflußt hat. Ausgehend von der stiefmüttterlichen Behandlung der rabbinischen Literatur .(„Etwas über die rabbinische Literatur etc," 1818) forderte er deren Erforschung unter dem höheren Gesichtspunkte, nämlich der Betrachtung „der Literatur einer Nation als Eingang zur Gesamterkenntnis ihres Kulturganges durch alle Zeiten hindurch — wie in jedem Moment ihr Wesen aus dem Gegebenen und dem Hinzukommenden d. i. aus dem Innern und aus dem Aeußern sich gestaltet — wie Schicksal, Klima, Sitten, Religion und Zufall freundschaftlich oder feindlich ineinandergreifen — und wie endlich die Gegenwart als aller dagewesenen Erscheinungen notwendiges Resultat dasteht". Er forderte weiter die Anwendung einer nach drei Richtungen orientierten Kritik, nämlich der doktrinalen, die Ideen umfassenden, der grammatischen, auf die Sprache sich beziehenden und endlich der historischen, die Geschichte der Ideen behandelnden Kritik. Auf diese Weise glaubte er zu einer umfassenderen und unbefangeneren Einschätzung des Judentums zu gelangen, welches er nicht nur als Religion sondern als Inbegriff „der gesamten Verhältnisse, Eigentümlichkeiten und Leistungen der Juden in Beziehung auf Religion, Philosophie, Geschichte, Rechtswesen, Literatur, überhaupt Bürgerleben und alle menschliche Angelegenheiten" definiert. Zunz bedient sich dabei des Begriffs der „Statistik des Menschengeschlechtes", welche „dessen Sein in einem gegenwärtigen Zeitmomente" umfaßt, welches Sein „Resultat einer vorhergehenden Geschichte, einen notwendigen Charakter hat" (Grundlinien einer künftigen Statistik der Juden). Sie hat ein dreifaches darzustellen, erstens „die E le m e n t e, d. i. Namen, Vaterland, Abkunft, Sprache, Religion, Staat", zweitens „die Prinzip e, d. i. das mehr oder weniger von den Elementen abhängige Innere, als: Verfassung, Sitte, Lebensweise, Beschäftigung, Meinung, Kulturstand", drittens die Resultate, d. u „das aus der äußeren Geschichte hervorgegangene Verhältnis zu der fremden Umgebung, die entweder dienend, herrschend oder neutral ist". Entsprechend hat die jüdische Geschichte die dreifache Aufgabe: erstens „das Element: Abkunft und Religion und alles das, was aus einstiger gemeinschaftlicher Sprache und gemeinschaftlichem Aufenthalt durch die Geschichte geworden ist", zweitens „das Prinzip: wie es aus einem unverrückten Zentralpunkt in unendlichen Radien ausscheidend, sich gestaltet hat in Sitten, Meinungen, Beschäftigung und Verfassung", drittens „das Resultat: das durch die äußere Geschichte bedingte und gewordene Verhältnis zu den einzelnen Ländern". So läuft die „Statistik der Juden" auf eine lückenlose Ergründung der Entwicklung und der augenblicklichen Lage des jüdischen Volkes hinaus. Man kann über diese Einteilungsprinzipien streiten, man muß auch nicht der Zurückführung der jüdischen Geschichte auf die Trias: Element, Prinzip,

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