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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 5 · p. 267

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 5
Article
Die Lehren von Irland
Date
1921-01-01
Page
267 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Die Lehren von Irland 267 uns für das Zusammenleben mit den Arabern vorzubereiten. Es ist nicht die Absicht dieser Zeilen, die Wege hiezu zu erörtern. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, daß, wenn überhaupt aus der irischen Sache Lehren für uns gezogen werden, vor allem der angedeutete Tatbestand, der allerdings propagandistisch nicht auszuwerten ist, beachtet werden muß. Und noch eine zweite Analogie soll hier angedeutet werden. Der irische Erfolg ist ein Erfolg der realen Macht eines auf seiner Scholle sitzenden Volkes. Jahrhundertelang haben die englischen Lords die irischen Bauern unterdrückt und ausgebeutet; das Land war dem Namen nach englisch, weil es in englischen Händen war. Die erste Welle einer nationalen Bewegung erwies sofort, daß die englische Oberschicht dem Lande nicht den Charakter zu geben vermocht hatte. Das Land gehörte der Nation, deren Hände den Boden bearbeiten. Eine Erkenntnis, die eigentlich schon zur Banalität geworden sein sollte, angesichts der vielen gleichartigen Fälle, die wir im Europa der letzten Jahrzehnte beobachten konnten. Auch dies ist eine fruchtbare Lehre für Palästina. In neuester Zeit wird von allen Seiten immer wieder der Aufbau der nationalen Heimstätte durch die sogenannte Privatinitiative propagiert. Mit diesem Wort meint man die Begründung kapitalistischer Unternehmungen, die von jüdischen Unternehmern ausgehen und angeblich jüdische Wirtschaftspositionen im Lande schaffen. Die Erfahrung zeigt — und wiederholt wurde bewiesen, daß dies nicht Zufall oder böser Wille, sondern ökonomische Notwendigkeit ist —, daß in solchen auf privatwirtschaftlichen Profit abgestellten Unternehmungen einer ganz geringen Zahl jüdischer Produzenten eine große Mehrzahl arabischer gegenübersteht. Am verhängnisvollsten ist das in der landwirtschaftlichen Kolonisation, wo die jüdische Initiative tatsächlich arabische Dörfer geschaffen hat, die außerdem infolge der Unterdrückung der Arbeiterschaft eine Brutstätte des sozial verwurzelten nationalen Hasses wurden. Beim Fortschreiten einer arabisch-nationalen Bewegung kann es geschehen, daß eines Tages die jüdischen Grundherren weggefegt werden und das scheinbar jüdische Land sich auch vor den Augen der Schwachsichtigsten als das entpuppt, was es in Wirklichkeit ist, von Arabern bearbeitetes, daher arabisches Land. Wollen wir einstmals, wie heute die Iren, nationale Freiheit gewinnen, dann müssen wir alle unsere Kräfte darauf konzentrieren — koste es auch Opfer und Verzicht auf momentanen Profit —, das Land in arbeitende jüdische Hände zu bringen. Für die arabischen Arbeiter ist Platz genug im Lande, auch wenn der Boden der jüdischen Volkes von Juden bearbeitet wird. In der Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen und sozialen Interessen wird leichter ein Band gefunden werden als in einem Verhältnis, das ewige Abhängigkeit und Interessen gegensatz zur Grundlage hat. Dies, scheint mir, ist es, was uns bei der Betrachtung der irischen Befreiung in dem Sinn kommen müßte, M. b. M. 18*

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