Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Stern der Erlösung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 264 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Umschau: Philosophie Vertrauen ist ein großes Wort . , . „Es ist das Ailereinfachste und gerade darum das Schwerste.0 Das weiß der, der dies Buch geschrieben hat, das so voll ist von Glut und Glanz, von Verheißung und Ewigkeit —.aber nur für den, der vertraut, für den, der glauben will und glauben kann. Es ist der ungeheure Versuch, den Glauben, den schlichten unmittelbaren Gottesglauben hineinzuziehen ins Leben der Erkenntnis. Es gibt kein anderes Heilmittel für unseren gegenwärtigen Zeitpunkt. Nur der Glaube kann uns retten, der Glaube an die Einheit der Wahrheit, die zu beweisen alle Systeme ohnmächtig, waren, und die in unserer Zeit von dem Sturmwind des Lebens endgültig auseinandergejagt wurde. Aber nicht nur gefordert, nicht nur gepredigt wird hier der Glaube; er wird geglaubt Das Buch ist voll vom Licht der Offenbarung, die es verkündet. Auf seinen Höhepunkten wird seine Sprache selbst zur Offenbarung. Worte der Liebe findet es wie kein zweites in unseren Tagen; denn erst hier: als der Weg von Gott zum Menschen und vom Menschen über die Menschen zurück zu Gott ist die Liebe wieder die geworden, die nimmer authört. So gewinnen alle die ewigen, uralten Namen hier wieder ihr ursprüngliches Leben, werden Wort und Feuer durch das Bekenntnis zu ihnen. Und diesem Glauben, diesem Bekennen leuchtet zuletzt der Stern der Erlösung auf als das Gottesantlitz selbst. Die ewige Ueberwelt der Gestalt sendet als letztes Bild dem Menschen das Wunder des Angesichtes, nicht seines, sondern des göttlichen Angesichtes entgegen. Denn „die Wahrheit läßt sich gar nicht anders aussprechen. Erst indem wir den Stern als Antlitz schauen, sind wir ganz über alle Möglichkeit von Möglichkeiten hinweg und schauen einfach." Das Bild von Sais ist entschleiert —aber das furchtbar zerschmetternde Bild des Selbst, das sie dem Wissenden zeigt, wurde in der ewigenUeberweltder Gestalt zum entschleierten Antlitz Gottes. Und so ist der Fluch, der den das Bild der Wahrheit Enthüllenden trifft, von ihm genommen: nicht sich selbst in äußerster Steigerung und Verzerrung erblickt er mehr, sobald er sie nicht mehr im Wissen sondern im Glauben sucht: sondern Gott. Es wäre unmöglich und sinnlos, an diesem Buch, das den Elementen der Vorweit wie dem Licht der Ueberwelt Sprache geliehen hat, eine „Kritik« zu üben, die nicht seinen Berich Im 2. Heft ist auf S. 124, rechte Spalte, 5. Zeile statt „Wohlgefühls« zu lesen: Weitgefühls, 25» Z. statt „das": daß, 27. Z, statt „nachzufühlen**: nahe zu fühlen; im 3, Heft eigensten Voraussetzungen entspringt. Wie Rösenzwelg einmal sagt, daß der Schöpfungsbegriff, durch den er die ganze Fülle und das innerste Sein der Erscheinungswelt und ihre Beziehung zum Göttlichen und Menschlichen aufschließt, nicht genommen werden dürfe als eine wissenschaftliche Hypothese, die man nach Beweisen oder Gegenbeweisen annehmen oder ablehnen könne, so kann auch das ganze strömend reiche weitverzweigte Buch nur angenommen werden jenseits von aller Beweisbarkeit als Aufschluss, Erleuchtung und Schau letzter ewiger Zusammenhänge des Seins, Mag es uns noch zu früh scheinen, die Augen heute nach der unermeßlichen grauenvollen Entfernung von ihr schon wieder zur vollen Wahrheit aufzuschlagen, zu früh noch, Gott zu schauen, der sich lange in •schweren Nebeln,Wolken und Leichentüchern, in gellenden Blitzen und Donnern vor uns verbarg — mag darum auch die Einbeziehung der Theologie in die Philosophie uns zunächst noch zu sehr an die Stütze gemahnen, die der Lahme dem Blinden gewährt — mag uns ferner des Lebens quellende Fülle, die uns eben erst aufsprang, unter einem Uebermaß von Konstruktion, unter der allzu strengen Führung der Wahrheits- und Ewigkeitslinien hier oft schon wieder gepreßt und vergewaltigt scheinen — jedem dieser Einwände begegnet doch das Buch mit einem strahlenden, überwältigenden Dennoch. Hier sollte sichtbar gemacht, gestaltet werden, was unaussprechlich ist in seinem Ursprung wie in seinem Ende. Die Bahnen des leuchtenden Doppeldreiecks, die vom Ursprung zum Ende leiten, müssen scharf und fest durch das bewegte Leben schneiden und können darum, trotzdem sie lebendige Bahnen sind, nicht anders als Leben zerschneiden. Und vernimmt man das Wort, daß nur der gläubige Mensch heute philosophieren dürfe, so weht es einen trotz allem wie eine wahrhaftige Lösung und Erlösung aus der Not dieser unserer Zeit an. Denn es ist ja die lebendige Wahrheit, im Gegensatz zur Gedankenwahrheit, die Rosenzweig wieder zur Offenbarung hintreibt — und wo wäre lebendige Wahrheit jemals für den Menschen zu finden als im Glauben? Wie immer man sich zu ihm stellen möge: dies Buch, geschrieben im Angesicht des Todes und mit dem Blick auf Gott, entschleiert in ihren Tiefen die todwunde, machtvoll ihrer Genesung entgegenringende Wahrheit unserer Zeit. Margarete Susman fcigung. auf S. 198, rechte Spalte, 35. Z. statt „den0: das, auf S. 200, rechte Spalte, 34. Z. statt „ Achäer*: Acher, 3. Z. von unten statt „künftig": künftigen. Für die Redaktion verantwortiich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin. — Judischer Verlag» Berlin. — Druck von Zahn Ä Baendel, Kirchhain N.-L.