Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Josef Popper-Lynkeus
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 258 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Bemerkungen: Josef Fopper-Lynkeus zur teilweisen Erfüllung seiner sekundären Bedürfnisse ermöglichen. Um dauernd ein 70 Millionen-Volk, wie das deutsche vor dem Kriege, in diesem Sinne zu erhalten, bedürfte es einer Nährarmee, in der 7*/4 Millionen Männer vom 18. bis zum 30. Lebensjahr und 5 Millionen Frauen vom 18. bis zum 25. Lebensjahr bei täglicher Arbeitszeit von höchstens 7V4 Stunden dienen. Man kann dem Popperschen System leicht den Vorwurf machen, es sei Sozialismus auf halbem Wege und darum widerspruchsvoll. Aber vielleicht liegt gerade in dem logischen Widerspruch das menschlich Wertvollste, das Popper zu geben hatte. Den Marxisten als strengen Materialisten ist der Weg zur Sozialisierung ein immanentes Gesetz der Geschichte, deren willenlose Werkzeuge wir sind; auch Popper, der nicht minder strenge Materialist, glaubt an eine Sozialisierung, aber — welche Paradoxie! — an eine Sozialisierung aus dem freien Willen des Menschen heraus; darum kann er sie bestimmen und umzirken. Hier, an der entscheidenden Wendung des scheinbar rein materialistischen Systems zeigt sich der unlösbare Zusamenhang mit den letzten ethischen und metaphysischen Problemen. Wir stehen nun einmal in der Schnittebene des Unendlichen mit dem Endlichen und überall, wo Liebe und Hilfsbereitschaft offenbar werden, haben beide Reiche Anteil an ihnen. Mag der Verwirklichungswert desPopperschenVorschlages noch so gering sein, die sittliche Emotion, die einen jüdischen Geist an die Grenzen mechanischer Erlösungsmöglichkeit vorstoßen ließ, bleibtuns ein Beispiel, beinahe ein Vermächtnis. Und so bricht durch die zeltliche mechanische Oberschicht der Popperschen Überlegungen die niedergehaltene ewige Musik seiner Seele mächtig hindurch. Friedrich Thieberger