Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Die privatwirtschaftliche Kolonisation in Palästina
Date
1921-01-01
Page
212 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101175-3101180-3106653--5002-3106682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

212 Salman Rubaschow: SALMAN RUBASCHOW / DIE PRIVAT- WIRTSCHAFTLICHE KOLONISATION IN PALÄSTINA*) Als die neue jüdische Kolonisation in Palästina im Anfang der 80 er Jahre begann, fand sie im Lande fast gar keine jüdische Landwirtschaft vor. Vom jüdischen Ackerbau des Mittelalters war nur ein kleines Dörflein in Pekiin geblieben, in dem jüdische Bauern sich wahrscheinlich im 16. Jahrhundert angesiedelt haben und in dem noch heute mehrere jüdische Familien wohnen, und eine kleine jüdische Siedlung in Spreem, die von der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt. Die wiederholten Versuche der Jerusalemer Juden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Ackerbau in der Umgebung der Stadt zu treiben, hatten keinen dauerden Erfolg. Bei Mozah blieben nur einige jüdischen Höfe und in der Nähe des arabischen Dorfes Jehudia in* der Nachbarschaft des gegenwärtigen Petach Tikwah wurden 3000 Dunam vorübergehend von Juden bebaut. Zählt man dazu noch den Orangengarten, den Montefiore .in der Nähe von Jaffa im Jahre 1855 erworben hat, und Mikweh Israel, das Karl Netter im Namen der Aliance Israelite im Jahre 1870 gekauft hat, um eine Schulfarm zu gründen, so haben wir den gesamten jüdischen Landbesitz, den die neue jüdische Kolonisation der 80 er Jahre vorgefunden hatte. Damals, mit dem Anbeginn der Chowewe-Zion- Bewegung, waren es die lokalen Kolonisationsgesellschaften der einzelnen Städte Rußlands und Rumäniens, die ihre Mitglieder nach Palästina sandten und dort die ältesten jüdischen Kolonien gründeten. Erst im Jahre 1895 begann Baron Rothschild sein großes Siedlungswerk, das 1900 von der ICA übernommen wurde. Der Zionismus wurde erst im Jahre 1908 zum Kolonisationsfaktor im Lande, nachdem das Palästinaamt in Jaffa gegründet worden war und der Nationalfonds und eine Reihe zionistischer Privatgesellschaften Land zu kaufen begannen. Die neue jüdische Arbeitereinwanderung begann nach dem Pogrom zu Hornel und nahm seit der ersten, russischen Revolution in den Jahren 1905—1906 stetig zu. Gegenwärtig besitzt die jüdische Landwirtschaft in Palästina ungefähr eine halbe Million Dunam Land, das auf mehr als 70 Siedlungen verteilt ist. Bis zum Jahre 1908. da einerseits eine größere jüdische Arbeitereinwanderung nach Palästina einsetzte, andererseits das Palästinaamt die Güter des Nationalfonds zu bewirtschaften begann, war die jüdische Kolonisation in Palästina ausschließlich privatwirtschaftlich. Aber auch später, nachdem hie und da kooperative Versuche gemacht wurden, blieb noch immer die Privatwirtschaft der vorherrschende Typus der palästinensischen jüdischen Landwirtschaft schlechthin. *) Im Einvernehmen mit dem Verfasser und in einer von ihm ergänzten Fassung entnehmen wir diese Darstellung dem Bericht der Poale-Zionlstlschen Kommission, aus dem wir im vorigen Heft der Aufsatz Über die Kwuzoth gebracht haben. Die hier angeführten statistischen Angaben entstammen dem Jahre 1920. (Anm. d. Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.