Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Klärung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Paul Amann: Magyarische Judenprofile 205handelnd beteiligt war, als ein späterer, an der Peripherie befindlicher Betrachter?" Meines Erachtens ist derjenige, der mitten in den Ereignissen steht und an ihnen handelnd beteiligt ist, zur Bildung eines sachgemäßen Urteils oft am wenigsten in der Lage. Politik ist eine Angelegenheit des Kontakts, politische Kritik eine der Distanz. Ihr Recht und ihre Autonomie sollten bei uns anders anerkannt werden. Es geht hier im übrigen wahrhaftig um andere Dinge als „Linke" und „Rechte". Der Parteimann, mag er auch für die Problematik des Parteinehmens so tiefes Verständnis zeigen wie Kaznelson, sieht und hört doch nur Parteien; und wenn ein einsamer Warner, in keiner Gruppe heimisch, keiner verschworen, vor ihm steht, weiß er sein Antlitz und seinen Ruf (auch wenn sie ihm anderswoher vertraut sein sollten) auf nichts anderes hin zu erforschen, als auf welche Seite des parlamentarischen Spiels er gehöre. Aul keine; wenn er sich auch in einem Haus, das nun einmal in Rechts, Links und Mitte eingeteilt ist, innerhalb eines dieser Kompartimente hinsetzen muß und sich dann nun doch am liebsten da hinsetzt, wo man Freiheit immerhin anstrebt. Aber er sehnt sich wahrlich aus eurer Welt, wo nur die Gruppen und ihre Vertreter gelten, in eine hin, in der Person gedeiht und daher auch Gemeinschaft wachsen kann. PAUL AMANN / MAGYARISCHE JUDEN¬ PROFILE Der greise Goethe, dessen kosmisches Gefühl mit „Weltbürgertum" viel zu flach bezeichnet ist, empfand als liebend hingegebener Bürger im Reiche alles Lebenden, ja des Daseins überhaupt, zuletzt jede neue Form — Wolke» Gazellenhorn, fremdes Baumblatt —, der sein herrlich geübtes Auge etwas „abgewinnen" durfte, wie den Brief eines fernen Freundes; die Rillen eines Gehörnes, das Flechtwerk eines Geäders, die Formen einer Nebelflocke waren ihm tief zu bergende Erfahrung von einem Ganzen, das sich eben nur in solchen einsilbigen Worten dem Aufhorchenden mitzuteilen vermochte. Wenn er über den Vorarbeiten zum „Meister" einmal sagt, er hätte nun auch das „Bedeutende der Judenheit" beisammen, so ahnen wir, mit welch ruhig saugender Kraft und hoher Weltehrfurcht er die absonderliche Lebenslinie unserer Älterväter im Mitteldeutschland des 18. Jahrhunderts überschaut und ermessen hat. Es steht nicht bei uns, mit solcher Urkraft unser breiteres Wissen von den konkreten Lebensgestalten der heutigen Judenheit ganz zu durchdringen, aber im Erwägen dieser jüdischen Daseinsformen etwas mehr jener großen Ehrfurcht walten zu lassen — das stünde uns wohl an. So löblich,