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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 4
Article
Zur Klärung
Date
1921-01-01
Page
201 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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MARTIN BUBER / ZUR KLÄRUNG Ehe ich die Bemerkungen zur zionistischen Politik fortsetze, die ich mit meinen „Kongreßnotizen" eröffnet habe, möchte ich auf jene der in Gesprächen und Reden, Briefen und Aufsätzen geäußerten Einwände entgegnen, die eher Mißverständnisse als Einwände zu nennen sind. Meine Sprache fordert von dem Leser nur eins: daß er wirklich lese. Das scheinen meine Opponenten als eine allzu strenge Forderung angesehen zu haben. Polemik ist nicht mein Gewerbe. Aber die Klärung unserer politischen Grundbegriffe ist so sehr vonnöten, daß ich entgegnen will, was diese Klärung zu fördern geeignet ist. Da die Einwände in dem Aufsatz Siegmund Kaznelsons, den ich an anderer Stelle dieses Heftes veröffentliche, wirksam zusammengefaßt worden sind, will ich mich an seine Formulierungen halten. tSf Etwas Persönliches oder Halbpersönliches sei vorausgeschickt. Das „Recht zur Kritik", die „Zweckmäßigkeit einer solchen Kritik in diesem Zeitpunkt" werden in Frage gestellt — man sollte meinen, daß ich bis zu diesem Zeitpunkte gewartet hätte! Aber ich habe seit 1916 immer wieder gemahnt, nicht dies sei der Weg; man hat meine Mahnungen immer wieder mit der Gebärde des erfahrenen Weltmanns als tatsachenunkundige Idealpolitik abgetan; und nun die Tatsachen zu meinem bitteren Schmerz — wie habe ich danach verlangt, von ihnen ins Unrecht gesetzt zu werden! — mir recht zu geben beginnen, soll ich meine Kritik nicht zusammenfassen und ihre Berechtigung nicht an den Fakten erweisen dürfen? Sie sei nicht zweckmäßig? Ich würde mich nicht daran kehren, ebensowenig wie ich eine Kritik am Judentum, die ich zu üben mich berufen fühlen würde, deshalb verschwiege, weil es einen Antisemitismus gibt. Aber gemeint ist ja: sie hätte jetzt „keinen Zweck mehr", da ja die politische Arbeit sozusagen erledigt, jedenfalls „eine Angelegenheit durchaus sekundärer Natur geworden" sei. Das wird kurz nach dem Karlsbader Kongreß behauptet, auf dem der politische Gesichtspunkt dauernd der bestimmende war, von den Eröffnungsreden bis zur Wahl der Leitung! Wann wir „die aus der Kritik der zionistischen Politik gewonnenen Erfahrungen" werden verwerten können, stehe dahin? Daraus wird geschlossen, daß man die Kritik verschweigen und also das Gewinnen von Erfahrungen aus ihr verhüten oder zumindest erschweren soll! Und es ist auch ja nicht wahr, wir müßten mit der Verwertung warten, bis wir

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