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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 3
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
167 (sequence 9)
Language
German
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MeJr Wiener: Die orientalische Metapher 167 werden darf, was nur dann möglich ist, wenn der Name des Kranken und der seiner Mutter genannt wird (mater Semper certa). Die Kabbala begründet dies noch außerdem damit, daß in jedem Krankheitsfalle irgend welcher Einfluß eines schädlichen Zauberwortes gesucht werden müsse; Zauber komme oft von Frauen und überdies könne Zauberei nur dann wirksam bekämpft werden, wenn die Person, die vor ihr — der Zauberei — geschützt oder gerettet werden soll, präzise und bestimmt bezeichnet wird; deswegen müsse in den diesbezüglichen Gebeten neben dem Namen des Kranken stets der seiner Mutter — als weibliche Person sowie als bestimmendes Merkmal für den Kranken — genau angegeben werden. (Tr. Synhedrin 67 A. Sohar Schemot 17 B. Midrasch Talpijot s. v. Kischuf, Siehe auch Sefer Chassidim Nr. 237.) Beim Ueberreichen des sog. „Kwittel"*) eines Chassid an den Zaddik, ebenso in dem traditionellen Segensspruch, dem sog. „Mischeberach" in der Synagoge bzw. beim „Tikkun"trinken für das Wohl eines Kranken wird deswegen stets dessen Namen und der seiner Mutter genannt. Bei sonstigen rituellen Gelegenheiten, während des Lebens oder nach dem Tode, wie z. B. bei Gebeten für das Seelenheil Verstorbener oder bei Aufschriften auf Grabdenkmälern wird stets neben dem Namen der betreffenden Person ausschließlich der Name des Vaters angegeben. Nur in manchen ungarischen Gemeinden wird auf Grabsteinen außer dem Namen des Vaters auch der Name der Mutter in der Weise angegeben, daß nach Schluß der ganzen Grabinschrift noch die Worte hinzugefügt -werden: „und der Name seiner bezw. ihrer Mutter ist (weschem immo . - .). (Der Schluß des Abschnitts folgt.) MEIR WIENER / DIE ORIENTALISCHE METAPHER Auf den Orientalen machen die konkreten Erscheinungen nicht den stärk- , sten Eindruck, sondern erst ihre geistigen Folgerungen. Er kann nicht am Ding haften, es mit Muße betrachten, er eilt, hastet fort zu seinem Sinn, zu seiner überweltlichen Bedeutung. Der Abendländer muß die Erscheinungen, schon wegen der schweren winterlichen Lebensbedingungen, genauer kennen. Der Orientale reagiert mehr auf das innerlich Gehörte**), der Abendländer hingegen mehr auf das äußerlich Gesehene. Es deckt sich vortrefflich mit der Feststellung der Psychologie: „die einen erinnern in Gesichts- *) Darüber weiter unten, **) „Ueberall sprechen sie (die arabischen Dichter) vorzugsweise ihr Seelenleben aus, ziehen die Dinge der Außenwelt in dasselbe hinein und zeigen wenig Neigung, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, um die Natur in scharfen und bestimmten Umrissen darzustellen, oder sich in' die Individualität anderer zu vertiefen und Menschen oder Lebensverhältnisse gegenständlich zu schildern". (A. F. von Schack, Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sizilien).

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