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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 150

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 3
Article
Der Antisemitismus und die deutsche Jugend
Date
1921-01-01
Page
150 (sequence 14)
Language
German
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Arnold Zweig: Der Antisemitismus und die deutsche Jugend die wir nicht sehen und um die Unzugänglichkeit des Alls im Kleinsten und Sternenweiten; .gelitten werde um die Bewältigung der Affekte und die Reinheit der Seele, um alles was tragisch und mit Notwendigkeit der heiligen Menschensehnsucht ewige Ziele und Schranken setzt — nicht gelitten aber werde und Krieg und Krüppelschaft, Verderb von Kindern und Mangel an Arbeit, um Hunger, Kälte, Unsicherheit, Härte und Raub des Menschen am Menschen; nicht gelitten werde um der änderbaren Zustände unseres gesellschaftlichen Hierseins willen. Ihr letztes Ziel, deutsche Jugend, ist der hohe Mensch, der königliche, priesterliche? Der ist der königliche Mensch, der am weitesten Verantwortlichkeit in sich spürt; der priesterliche er, der am tiefsten bereit ist zu Dienst und Hilfe. Hüten Sie sich vor rechts. 12. Denn: eine Jugend die zurückblickt, bevor sie noch ernstlich will, die nicht wagelustig und voll Stolz in das heranwogende Dunkle, Ungeformte und Zukünftige steigt, um es zu Form und heller Gegenwart zu zwingen — solche Jugend, nur Schauen ohne Tat, nur Sehnsucht ohne Angriff, hat ihrem letzten und reinsten Stigma ängstlich entsagt, Bürge des Kommenden und Bringer der Freiheit zu sein. Freiheit und Jugend aber —• sind sie nicht das Armrecken des Volkes unter dem schicksalsgewaltigen Gewölbe des Himmels, kettensprengend und nach Werkzeugen für neuen Bau langend? DAVID KOIGEN / IM WIRBEL DER GESCHICHTE (Lose TagehucJillätter) IV. Wandlungen. Wir, die Anderen, die die Revolution nicht gemacht haben und unmittelbar keine Verantwortung für ihr Tun und Lassen tragen, auch wir, das Publikum, der Chor im historischen Mysterium, haben eine Wandlung durchgemacht und sind gleich dem toten Lazarus zu neuem Leben erweckt worden. Der Weg war schwer und nicht allen ist es geglückt, die Feuerprobe zu bestehen. Manchem stellte sich die Trägheit des herkömmlichen Denkens in den Weg und andere wurden vom Getöse der Ereignisse geradezu betäubt. Ich erwähnte es schon: ideologisch war man auf die große Revolution nicht verbereitet. Man war eher von einer Liquidationsstimmung erfaßt. Die Götter der Revolution von Anno 1905 wurden in Scherben geschlagen. Aber auch da, wo man die Revolution verleugnete, lebte man indirekt auf Kosten ihrer Nebenprodukte. So zerfiel der fehlgeschlagene Revolutionswille in tausend und abertausend winzige Willensrichtungen „revolutionärer", machthaberischer Natur, die vom Einzelnen zu seinem eigenen Nutzen mißbraucht wurden. Mancher Träumer und Ideologe wandelte sich

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