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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 3
Article
Der Antisemitismus und die deutsche Jugend
Date
1921-01-01
Page
149 (sequence 13)
Language
German
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Der Antisemitismus und die deutsche Jugend 149 Volkes ist. Sie als Deutsche, deren Werk in und an Deutschland getan werden muß, sind schlechthin gezwungen, auf Vorhandenem zu beginnen, auf den echten alten Grundmauern des Volkstums, nicht auf den falschen und künstlichen Fundamenten jenes bismärckischen Fürstenbaues der an der Marne in Trümmer ging, und Sie finden in der deutschen Geschichte von Thomas Münzer bis zur Paulskirche die großen Spuren deutscher Demokratie. 11. Ja noch das letzte sei ausgesprochen: Sie werden weder zum Autbau noch zur Vorbereitung Zeit und Geist haben können, wenn nicht jeder Kopf, jedes Herz begreift, daß unverzüglich und neben jeder anderen Tat das allgemeine Übel in seinen schrecklichsten Wirkungen gedämpft wird; denn am Organismus eines Volkes gibt es keine lokalen Kuren die nicht auf das Ganze sofort Wirkung hätten. Und darum müssen andere Inhalte demokratisch-sozialistischer Ideologie zu den Ihren werden. Keine Jugend hat das Recht, zu wählen und zu verwerfen, bevor sie an ihre Tat geht; das Volk zu sondern oder gar im Ganzen seinem Schicksal zu überlassen, indeß sie sich Einzelne, Freunde, kleine Zirkel Gleichgesinnter zur Grenze ihrerWirkung setzt. LieDen Sie Ihr Volk in seiner Entstellung nicht, sehen Sie im heutigen allgemeinen Verfall den metaphysischen Deutschen nicht, den es ans Licht der Sonne und in die irdische Luft zu bringen gilt, ihn, der fast überall noch da ist — und wo ers ist und wo nicht erfahren Sie erst, schauen Sie überhaupt erst wenn Sie an ihm formen — dann wehe Ihnen! Sie wären dem eunuchischen Konventikelhochmut verfallen, der weder Frucht noch gar Erneuerung zu tragen vermag. Lieben Sie es aber wie wir Juden das unsere lieben, unser entsteslltes Volk, so müssen Sie all das Leiden an Ihr Herz nehmen und es zu heilen beginnen, das Leiden des Gewaltwahns, der Pleonexie, des Raubes am Nebenmenschen, der gegenseitigen Knechtung, der Sucht, irgendwo ein ganz kleiner Vorgesetzter zu sein und gern vor ein wenig Höheren gebückt zu stehen, wenn nur noch Niedrigere, noch Wehrlosere ihrerseits sich vor dem beglaubigten Herrscherchen bücken müssen; das Leid des Hungernden, des Frierenden, des verkommenden Kindes — das furchtbare Leiden der heutigen Menschen. Daß Sie bei sich beginnen müssen mit der Erneuerung, das ist selbstverständlich und kaum erwähnbar; aber das allgemeine Leiden kann nur durch die Beteiligung jedes Einzelnen, jedes Guten an den allgemeinen Versuchen notdürftig gestillt werden. Und darum müssen Sie, Ihr Sonderziel und Ihren Sonderweg im Herzen und vor den Augen des Geistes, in das allgemeine, sehr gefährliche und sehr verwirrende Treiben der politischen Sphäre eingreifen. Es komme nicht auf das Glück der Menschheit weder noch des Volkes an? Sehr wahr. Es kommt aber darauf an, daß nur um leidenswürdige Dinge auf Erden gelitten wird. Gelitten werde um Werk und Liebe, um Erkenntnis der Wahrheit und Gottes Gestalt, um den stets zu frühen Tod und die unmögliche Wiederkehr des Ichs, um die Gebrechlichkeit des Selbst und des allgemeinen Menschen, um die Weite der Erde

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