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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 1
Article
Anton Kuh: "Juden und Deutsche" [Rezension]
Date
1920-01-01
Page
53 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU VÖLKERPSYCHOLOGIE Anton Kuh: „Juden und Deutsche". In keinem Bereiche menschlicher Erkenntnis so sehr wie in der Psychologie der Völker erfahren wir auf Schritt und Tritt die-Richtigkeit des Auspruchs von Höffding, daß die Wahrheit nicht etwas Statisches, sondern ein Dynamisches ist. DerMathematiker Poincare, glaube ich, war es, der das Gleiche so formulierte, daß zur Erklärung einer Erscheinung verschiedene Hypothesen möglich sind. Nun, in der Völkerpsychologie hat fast jede dieser Hypothesen etwas Wahres oder gar Ueberzeugendes an sich. Zumal, wenn ein mit der Gabe der psychologischen Eindringlichkeit und der Ausdruckplastik so überreich ausgestatteter Schriftsteller wie Anton Kuh sie sich zu eigen macht In seiner neuen Schrift „Juden und Deutsche" (Erich Reiß, Berlin 1921) beklagt er sich zwar, diesem Thema „das Don-Quixote-Opfer einer Systematik bringen zu müssen, die dem rasch blickenden Geist nicht im Blut Hegt und seinen Fluß bloß zwecklos anstaut". Doch, immerhin, bleibt hier des Flusses noch genug, um mir, im Interesse der Leserschaft, noch ein letztes Destillat oder richtiger Kondensat zur Aufgabe zu machen. Kuh fängt (mit Otto Groß) ab ovo an. Der biblische Sündenfall bedeutet das Ende der Liebeswahl, des Mutterrechts und den Anfang des Geschlechtsbesitzes, der Ehe, des Vaterrechts. Die Juden berühmen sich darin die Ersten gewesen zu sein. Sie nennen sich Begründer und Heiliger der Ehe. Und in der Tat: die Familienmoral ist zur Urquelle des ganzen jüdischen Wesens geworden: sie durchdringt die Theologie, die Staatsauffassung, das Weltgefühl, das Verhältnis zur sozialen Mitwelt, geschweige denn das erotische Leben des Juden. Die die väterliche Autorität in die Welt setzten zur Sicherung leiblichen Besitzes, sie mußten Über diese Welt auch einen Vater-Gott setzen; und „den lieben Gott" nannten ihn schmeichlerisch die Untertanen. Aber sie sagten nicht mehr: der Hebe Mensch. So begrenzten sie ihren Gesichtskreis schon in ihrer Urzeit und in Zeiten staatlicher Unabhängigkeit. Später, als diese schwand, wurde die Ehe, die Familie erst recht zum Wohnsitz ihrer ganzen Seele. „Sie kapselten sich in die Kleingehäuse der Ehe ein und wehrten, also eingeringt, der Welt und dem Weltgeist". Was ist aber diese Familie? „Der Vater, Ur-Besitzer, schwingt die Erhaltungsfuchtel. Die Mutter, in ihrem Glück verkrüppelt, hegt die Kinder als Krüppel; die Töchter sind lebendig aufgebahrtes, wie Topfblumen betreutes Verkaufsgut." Der Jude ist Frucht eines Eheschachers, wie er •sich selbst wieder Sprossen erschachern wird. Kuh geht auch dem erotischen'und Sexualleben des Juden nach und rückt auch ihm mit erbarmungsloser Sonde zu Leibe. „Sind die Juden sexuell glücklich? Ich wage es zu verneinen. Das schönste Glückr unbewußter Wunschkeim allen revolutionären Triebes: „liebend geliebt zu werden" — es ist ihnen am öftesten versagt. Ihr lebendigster Intellekt, ihre schmiegsamste Sachvertrautheit, ihre genialste Lustbereitschaft tritt hinter dem Lächeln eines Nebenbuhlers zurück, dessen lässig-verspielte Lippen von sich nichts wissen. Geredet ist das Band zwischen Liebenden und Geliebten, geredet und erredet. Sie schalten ins Objekt ihrer Neigung einen Starkstrom ein: die Mühe künstlichen Selbstentzückens." ,„Vernunft ist oft lästig, wie ein Nachtlicht' im Schlafzimmer, sagt Börne. Es ist das besondere Los der Juden, daß dies Licht gerade in ihren Schlafzimmern brennt". Diese Unnaivität bedingt, als Prävalenz der Bewußtheit, auch eine „größere Aufgeschlossenheit" und infolgedessen Häßlichkeit des jüdischen Gesichts. „Wo der Mensch nur zwei Lippen für sein Begehren hat, hat der Jude unzählige. Seine Gefallsucht hat Lippen wie sein Gefallen, sein Hunger nicht bloß, sondern auch seine Sattheit, seine Angst, seine Verlegenheit, sein Aerger". In der Familienmoral wurzelt auch die Erfurchtlosigkeit der Juden untereinander: „Wie genau kennen sie sich alle von dort her". Kann es zwischen ihnen da noch Ehrfurcht geben, Achtung vor dem Mystisch- Unberechenbaren im Menschen? Ihr Verwandtschaftsinstinkt wacht über jeden. Und hat er im Fremden den Verwandten arretiert— dann gute Nacht Respekt, Glaube, Demut! — „Du Aermster, der du unsere Krummnase —

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