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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 748

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Wirtschaftsgeschichte
Date
1920-01-01
Page
748 (sequence 3)
Language
German
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'74Ö Umschau: Wirtschaftsgeschickte früheren Epochen jüdischer Wirtschaftsgeschichte. Judentum als Massenerscheinung ist aller jüdischen Historiographie etwas Inadäquates gewesen, und auch heute, wo Judentum gar nicht mehr anders denn als Massenerscheinung zu begreifen ist, wird diese Massenhaftigkeit, Gleichförmigkeit und Schicksalseinheit viel zu wenig gewürdigt, weil sie eine relativ — zu den Wirtsvölkern — geringfügige ist. Caros Werk ermangelt aller dieser methodisch unumgänglichen Gesichtspunkte und Tatsachen. Es wird deshalb auch für den Zeitraum, für welchen es vollendet werden konnte, nicht die Wirtschaftsgeschichte der Juden sein, sondern die Geschichte der jüdischen Wirtschaftsrechtsformen^ und der jüdischen Wirtschaftspolitik der mittelalterlichen Mächte. Ob als solches gut und einwandfrei, entzieht sich meiner Beurteilung und ist für das Problem der jüdischen Wirtschaftsgeschichte vielleicht auch nicht sehr belanglos. So viel ist mir aber nach Caro, Sombart, Schipper u. a. klar geworden: eine jüdische Wirtschaftsgeschichte wird nicht durch große oder kühne oder umfassende Darstellungen und auch nicht nur durch kleine Ausschnitte aus der Berufstätigkeit der Juden begründet. Sie bedarf vorerst einer Klärung des Systems und der Methode. Erst muß Uebereinstimmung darüber herrschen, was man von der Geschichte für die Juden oder von den Juden für die Geschichte erfahren kann (das heißt noch lange nicht deduzieren, das verhindert nurunlesbare Materialhäufungen) und wie man es erfahren könnte. Die statistische, die biographische, die individualisierende Methode muß neben die pragmatische. Geschichtsschreibung treten, der Versuch einer unverbindlichen Auswertung der talmudischen und nachtalmudischen Literatur müßte zunächst einmal unternommen werden. Erst Klarheit über Systematik und Methodik könnte mehr erbringen als Polemik und Gegeneinanderbeweisen, das natürlich immer möglich ist:, nämlich gemeinsames Einzelforschen zu gemeinsamem Ziel und zu erschöpfender Zusammenfassung. Auch Caros dankenswerte Arbelt bildet noch keineswegs die Grundlage für eine jüdische Wirtschaftsgeschichte als Bestandteil einer „Gesamtwissenschaft des Judentums*. Wenn eine solche jemals zu schaffen sein wird, dann gewiß nur als Ergebnis der Arbeit vieler. Erwin Kohn Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin. —. Jüdischer Verlag, Berlin. — Druck von Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L.

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