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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 735

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Das jüdische und das arabische Selbstbestimmungsrecht
Date
1920-01-01
Page
735 (sequence 4)
Language
German
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Umschau: Politik 735 die Betrachtung des vorigen Heftes hat bereits das Stück Imperialismus, das im Zionismus steckt, ebensowenig ge-' leugnet wie die von ihm verschuldete Verletzung des arabischen Selbstbestimmungsrechts. Es ist derselbe Imperialismus, den jedes Leben und Wachstum auf dieser endlichen Erde in sich trägt, der junge Mensch sowohl, der den älteren verdrängt, wie das jüngere (oder mächtigere, kultiviertere, zahlreichere, geschlossener siedelnde, nationaler fühlende usw.) Volk. Und so ist die englische oder jüdische Wehrmacht in Palästina auch in gleichem Sinne Militarismus, ebenso wie etwa eine rein pazifistische Miliz. Daß dieser Angriff, Imperialismus und Militarismus aber auch nur Aeußerungen unseres Lebensrechtes sind, wurde ebenfalls bereits dargetan. Die ungewöhnliche Schwierigkeit der zionistischen Aufgabe ist damit umschrieben. Und es läßt sich auch schon die Frage beantworten, ob es nicht für die Erleichterung unserer ohnehin offensiven Aufbauarbelt von ausschlaggebender Bedeutung ist, daß uns wenigstens der schwerste Teil unserer Aufgabe, der kriegerische, abgenommen wird. Man besinne sich doch einmal auf den Zweck des Mandats, das England übernimmt. Es besteht in* der Unterstützung der Nation, zu deren Gunsten der Auftrag übernommen wird, bis zu dem „Zeitpunkt, wo sie fähig wird, selbständig zu handeln/' (Artikel 22 des Völkerbunds-Statuts). Welche Unterstützung aber brauchen wir? Auch ohne englische Verwaltungsbeamte mit allen ihren Vorzügen und schweren Fehlern, von denen ihr "kolonialer Hochmut der für uns unerträglichste ist, wäre das Land zu regieren und vom jüdischen Standpunkte besser als heute. Und ob das politische und administrative Genie Herbert Samuels, heute die stärkste zionistische Potenz, die wir besitzen, auch für eine rein jüdische Verwaltung des Landes nicht hätte gewonnen werden können, braucht von vornherein nicht bezweifelt zu werden. Der Wert des englischen Mandats liegt aber, dies leugnet auch der enragierteste Fanatiker unserer staatlichen Selbstständigkeit nicht, in dem politischen und militärischen Schutz, den das englische Reich uns gewährt. Daß wir heute ohne diesen Schutz zu schwach wären, unsere unerhört schwere und offensive Aufgabe zu vollbringen, und insbesondere ohne ihn unaufhörliche blutige Konflikte mit den Arabern unvermeidlich wären, dies zu bestreiten hat wohl kaum jemand versucht. Wenn nun England der wichtigste Teil seiner Aufgabe, für den es dem Völkerbund und der Welt verantwortlich ist, die Sorge für unsere äußere und innere Sicherheit in Palästina, abgegenommen werden soll, welchen Wert hat dann das Mandat überhaupt für uns? Sobald wir die wesentlichsten staatlichen Hoheitsrechte, Militär- und Polizeihoheit, für uns in Anspruch nehmen, wird die Einschränkung anderer für die Souveränität unseres Gemeinwesens weniger wichtiger staatlicher Hoheitsrechte sinnlos. Andererseits aber — welchen, Wert hätte Palästina für England, in dessen weltpolitisches System es doch zweifellos einbezogen ist und eine bestimmte Rolle spielt, wenn es das Land nicht wenigstens militärisch in der Hand hat? Die Analogie mit Mesopotamien trifft nicht zu. Ein arabisches Scheinkönigtum mit einem eingeborenen Heere unter englischer Führung, dieses ganze orientalische Vasallitätsverhältnis ist in Palästina undenkbar oder zumindest unvereinbar mit der von England durch das Mandat international übernommenen Verpflichtung zur Errichtung einer nationaljüdischen Heimstätte. Ueberhaupt ist das mesopotamische Beispiel, das in der Beurteilung der früher erwähnten tatsächlichen Vorfrage die Hauptrolle spielt, für eine Analogie mit Palästina nicht geeignet. Es ist weder militärisch noch politisch noch wirtschaftlich für England sehr aussichtsvoll, in den mesopotamischen Wüsten starke Garnisonen zu unterhalten. Die strategische und politisch-wirtschaftliche Bedeutung Palästinas hingegen ist eine*ungleich höhere und wird außerordentlich groß in dem Augenblick, in dem England nach- Erteilung der Selbstverwaltung an Aegypten dort seine eigenen Truppen zurückziehen muß. Schon heute ist die Höhe der von den englischen Steuerzahlern zu tragenden Militärlasten Palästinas auf die für die Sicherheit des Landes selbst keineswegs notwendige große Zahl der dort befindlichen ägyptischen Truppen zurückzuführen. Nimmt man die Frage nur als Finanzproblem, so ist die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Heeres damit nicht dargetan: in finanziellen Dingen wird eine Auseinandersetzung und Verständigung mit England wohl jederzeit möglich sein, und englisches Militär wird, wie noch gezeigt werden soll, jedenfalls billiger sein als jüdisches. Jabotinsky sieht aber in der Frage nur ein Finanzproblem, er glaubt an die Notwendigkeit jüdischer Legionen vor allem aus psychologischen Gründen. England werde nicht zulassen, daß seine Söhne für die Juden ihre Haut zu Markte tragen. Doch auch die rhetorisch wirkungsvolle Redewendung Jabotinskys von den Verlustlisten, in denen nur jüdische Namen vorkommen dürfen, weniger aufgeregt, als sie vorgebracht wurde, zu betrachten, erscheint angezeigt. Es werden zunächst einmal, sollte es wieder Verlustlisten in . den englischen Blättern geben, auf keinen Fall sehr viele englische Namen sein, die dort stehen würden, sondern viel mehr indische, ägyptische usw. Und daß wir den Ehrgeiz haben sollten, gerade diese zu ersetzen, ist 48*

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