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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 12 · p. 732

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 12
Article
Das jüdische und das arabische Selbstbestimmungsrecht
Date
1920-01-01
Page
732 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU LEBEN UND BEWEGUNG POLITIK Das Jüdische und das arabische Selbstbestimmungsrecht . * IL Geistige oder Gewaltpolitik? Kritiklosigkeit, bedenkenlos zustimmender Jubel oder ablehnende Geringschätzung, Herrschaft der Schlagworte, Suggestion der Moderichtungen und der Heroen des Augenblicks, dieser ganze hoffnungslose Apparat der heutigen und jederzeitigen politischen Oeffentlichkeit ist auch der unsere. Wir unterliegen denselben Gesetzen, die alle Völker regieren. Die gleichen politischen Gruppierungen, der Einfluß derselben Zeitströmungen, Ideen, Schlagworte und Philosophien, derselbe Gefühlsboden, aus dem die gleichen Eintagspflanzen emporschießen und verwelken. „Alles hat seine Zeit," und noch trauriger als diese Erkenntnis ist, daß es bei allen Völkern immer dieselbe Zeit ist. Augenblicklich befinden wir uns in einem Schwebezustand. Die Gegensatzpaare Revolution — Reaktion, Demokratie — Autokratie, Sozialismus — Kapitalismus, Pazifismus (staatlicher und nationaler) — Militarismus, Politik des Ausgleichs — Imperialismus, Recht — Macht, sind im Gleichgewicht. Ein ewiges Zerren und Ziehen, diese sogenannte Weltgeschichte : dem Zug nach rechts folgt einer nach links, dem Ruck nach links einer nach rechts. Heute sind auch schon die Revolutionsideen beinahe so verblaßt wie die des „großen Krieges." Beide Extreme, links und rechts, ringen jetzt wieder um die Herrschaft Über die Seele des Bürgers. Auch im jüdischen Volke. Wäre es noch vor zwei Jahren möglich gewesen, daß Wladimir Jabotinsky, der Schöpfer der jüdischen Legionen im Kriege, hätte in Deutschland erscheinen und mit seiner Propaganda für die Neuaufstellung der Legionen geradezu frenetische Beifallsstürme entfesseln können? Noch machte er der jüngsten Vergangenheit eine Konzession: er kenne, erklärte er mit Nachdruck, weder einen Pazifismus noch Militarismus, sondern nur die nationalen Interessen seines Volkes. Wozu diese Ablehnung? Sie entspricht nicht der Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit und der bis ans Brutale oder (je nach dem Betrachter) Unbedingte grenzenden Offenheit dieser starken Persönlichkeit, deren leidenschaftlicher Wille in solcher Vehemenz bei uns ganz vereinzelt ist. Der Militarismus ist weder etwas Schimpfliches, noch der Pazifismus etwas Lächerliches, weil 1918 nicht 1914 und 1921 nicht 1918 ist, und beide sind auch dadurch nicht von Bedeutung, daß sie gerade in Mode sind. Der Militarismus, worunter man durchaus nicht den blindwütigen Kriegs- und Vernichtungswillen eines despotischen Selbstherrschers zu verstehen braucht, ist eine Geisteshaltung, der genau solche Beachtung und Achtung gebührt wie dem Pazifismus, der auch nicht die Essenz aller Gescheitheit, Güte und allen Idealismus zu sein braucht. Weder der eine noch der andere ist durch die flinken Geister, die je nach der politischen Mode beide abwechselnd in den Himmel hoben oder verdammten, diskreditiert. Jabotinsky ist Militarist und dies in einem durchaus guten Sinne, dem besten, den es gibt, nämlich Militarist, wie es die meisten nationalen Freiheitshelden gewesen sind. Aus ihm spricht zumindest das gleiche Ethos wie aus den Vertretern jenes doktrinären Pazifismus, dem die Auseinandersetzung im vorigen Hefte galt. Hier Selbstbehauptung bis zum Extrem, ^dort Selbstauflösung bis zum Äußersten — zwei grundsätzliche Einstellungen, die man billigen oder verwerfen kann, deren ethischen Gehalt aber nachzurechnen man nicht das Recht hat. Das wäre ebenso * selbstgerecht, wie wenn man Pessimismus und Optimismus, die tieferen Gründe dieses Gegensatzes, auf ihre moralische Berechtigung hin untersuchen würde. Die modischen Etiketten, die man je nach den Zeitumständen der einen oder der anderen Richtung anzuheften und mit denen man sie von vornherein unmöglich zu

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