Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 721 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verstoßene 12% zu sehen, wenn er zum Beten geht. Rabbi Awigdor und Rabbi Meschullam treten ins Lehrhaus ein, der Vorbeter tritt zum Almemor und steigt hinauf, und Israel bereitet sein Herz und seine Seele, das Lied der Lieder zu sagen. Aber wo ist Gerschom? Wo ist er? Siehe, er kommt, hüpft auf die Stufen, springt auf den Almemor, Siehe, er steht vor der Gemeinde, seine Augen irren im Weltenraum. Seine Finger spreizen sich immer weiter. Er schlägt auf den Tisch. Da erschraken alle und glaubten, er sei Gott behüte, wahnsinnig geworden. Aber er achtet nicht auf sie. Keine Rede, keine Worte. Still neigt er sein Ohr mch den Schritten der Schechinnah. Siehe, sie geht, siehe, sie kommt, seine Seele zu sich zu nehmen mit der Süßigkeit ihre's Ganges. Sein Herz ruht über der Stille. Gedämpftes Licht ist um seine Augen. Gnadenreicher, ist dies wirklich das verborgene Licht, oder nur der letzte Sonnenglanz der sechs Schöpfungstage? Und in jener Stunde öffnete sich Gerschoms Kehle, und er begann das Lied der Lieder zu sagen mit erhobener Stimme und mit furchtbarer und schrecklicher Entflammung, bis die ganze heilige Gemeinde verstummte, und sie wurde von ihm mitgerissen und entflammt von seiner Hitze, bis er zu dem Vers kam: Zieh mich dir nach, wir wollen eilen. Und als er zu dem Vers kam: Zieh mich dir nach, wir wollen eilen, da stieg seine Seele in Reinheit empor. Aber seine Lippen flüsterten noch leise: Der König führte mich in seine Gemächer. Im Sprechen schied seine Seele. So starb Gerschom, der Enkel Rabbi Awigdors des Vorstehers, weil Rabbi Awigdor gestritten hatte mit Rabbi Uriel und mit den Chassidim.